White Tiger – Teil 3

Oh, es ist schon wieder so viel passiert und ich komme einfach nicht nach mit dem Blogschreiben…

Mein letzter Eintrag war von den Epupa Falls im Norden von Namibia. Ich möchte daran anknüpfen um euch den witeren Verlauf unserer Reise zu schildern.

Nach den Tagen bei den zu Angola angrenzenden Epupa Falls fuhren wir durch das Buschland zurück nach Opuwo. Die gut erhaltene Piste führte uns durch eine von Termitenhügel und büschen geprägte Landschaft in diese dynamische Stadt im Norden Namibias. Die zwei Hauptkulturen, Himbas und Hereros, ziehen im Einklang durch die Strassen, erledigen Geschäfte oder den Einkauf. Überall stehen kleine Wellblechhäuschen am Strassenrand, bieten einen Haarschnitt oder Fleischeintopf mit Pap, einem aus Maismehl und Wasser bestehenden Brei, an. Wir erledigen die nötigen Einkäufe und fahren ostwärts zum Etosha Nationalpark. Die Fahrt da hin war nicht sehr abwechslungsreich; der Höhepunkt bildete wohl die Polizistin, die uns am Veterinärtor angehalten hat und fragte, ob wir eine gute Fahrt von den Epupa Falls hier her hatten. Anscheinend kennt man uns bereits…
In Namibia gibt es die sogenannte ‘Red Line’. Diese Linie markiert eine wichtige Grenze im Veterinärwesen, da es nördlich davon noch immer die Maul- und Klauenseuche gibt. Alle Tiere südlich dieser Linie sind für die kommerzielle Schlachtung und den Export freigegeben. Zudem, so sagt man, stelle diese Linie auch die Grenze zwischen erster und dritter Welt dar. Tatsächlich ist der Unterschied gerade in Namibia zwischen den Gebieten der San oder Bushmen und der Kolonialgebieten enorm zu spüren. Sieht man im südlichen Teil prunkvolle Häuser, die neuesten Pick-ups und richtige Städte so wandeln sich diese über der Red Line in kleine Hütten aus Stroh und Eselskarren.

Beim westlichen Galton Gate des Etoshas erkundigten wir uns über den Nationalpark und haben einen geeigneten Schlafplatz in der gegenüberliegenden Seitenstrasse gesucht. Als wir plötzlich auf einem Campingplatz standen, machten wir kehrt und fuhren zu einem Wasserloch, welches wir bei der Hinfahrt schon gesehen haben. Ich traute meinen Augen kaum, als sich vor uns eine Szene von Giraffen, Zebras, Impalas und Springböcke beim abendlichen Trunk abspielte. Die Sonne versank feuerrot und verlieh dem unglaublichen Schauspiel die perfekte Atmosphäre, wie man sie wohl nur aus Lion King kennt.

Frühmorgens sind wir aufgebrochen und haben uns vor dem noch verschlossenen Tor Frühstück zubereitet. Der westliche Teil des Etoshas war bislang nur den von offiziellen Tourguides geführten Gruppen zugänglich. Diese Bestimmung wurde jetzt aber geändert und uns somit ermöglicht, von West nach Ost durch den riesigen Park zu fahren. Gleich am ersten Wasserloch nach unserer Einfahrt hat Kathi in den Büschen ein Rudel Löwen entdeckt. Wir fuhren über kalkig-weisse Strassen durch Herden von Antilopen, bestaunten staubaufwühlende Büffelherden, sich mit Schlamm bespritzende Elefanten und Dornenbusch essende Giraffen, in der weiten Ebene grasende Springbokherden und die über uns fliegenden Adler. Der Campingplatz in Okakuejo war modern und hatte ein beleuchtetes Wasserloch. Nach dem Abendessen haben wir uns also mit einer Flasche Wein zum Wildlife TV schauen hingesetzt. Hyänen, eine sich vorsichtig nähernde Giraffenfamilie, selbst eine Nashornmutter mit ihren Kleinen kamen aus dem Busch um im Schutze der Nacht zu trinken.
Ich war gerade am Zähneputzen, als Kathi angerannt kam und sagte, dass es Löwen am Wasserloch hätte. Wir haben natürlich alles stehen und liegen gelassen und sind zum Wasserloch gerannt. Es war ein Spektakel; das junge Löwenmännchen war der Einzige am Wasser, die Weibchen haben den Schatten eines nahegelegenen Baums genossen. Links vom Loch stand ein Impala-Paar, das sich nicht wagte, sich zu bewegen. Einige hundert Meter entfernt war eine Gruppe Kudus, die ihren Durst wohl auch gerne gestillt hätten und dann kam noch eine grosse Herde Zebras von rechts eingelaufen. Die Szene könnte ohne weiteres aus einer David Attenborough – Dokumentation stammen. Alle Tiere wussten natürlich von einander und so entstand diese Situation vom mächtigen Löwen, umgeben von in sicherem Abstand stehender Beute.
Der Ostteil des Parks fanden wir verglichen mit dem Westteil nicht sehr spannend, eine hohe Zahl an Touristenautos versperrte die Sicht und hat zum Teil sogar Tiere verscheucht. Trotzdem war auch der östliche Teils einen Besuch wert.
Nach drei Tagen in dem Aushängeschild aller Safariparks waren wir dann allerdings auch froh, dass das Tiere-gucken vom Landschaft-gucken abgelöst wurde.

Nach einer Nacht beim ‘Big Baobab Tree’ mit Lagerfeuer und Ratespielen fuhren wir weiter nach Rundu. Die Stadt befindet sich ganz im Norden und markiert den Beginn des Caprivizipfel. Die Landschaft ist geprägt vom einzigartigen Kavango, welcher später in Botswana zum Okavango wird und dort in einem riesigen Delta im Boden versickert. Einmal mehr haben wir uns auf dem Weg zum Campingplatz einfach ein paar Meter neben der Strasse in die Büsche gestellt. Als wir für den Abwasch am nächsten Morgen wieder in den Camping fuhren, habe ich Bekanntschaft mit einem ausgewanderten Österreicher geschlossen, welcher angeboten hat, uns ein bisschen mit seinem Boot herumzufahren und uns das Tigerfischen zu zeigen. Es war nämlich gerade ein afrikaweit bekannter Fischerei-Wettbewerb mit über 60 Booten im Gange. Es hat riesigen Spass gemacht, mit der kleinen Aluschale, getrieben von satten 300PS, über das spiegelglatte Wasser des Kavango’s zu blochen!

Weiter durch den Caprivi Streifen haben wir einen Stopp bei den Pupa-Falls eingelegt, diese waren jedoch verglichen mit den Epupa-Falls absolut unspektakulär und hatten ein totales Gefälle von lediglich 3 Metern. Trotzdem nutzten wir die Gelegenheit um uns mit einem Bad in einem Seitenarm des Flusses zu erfrischen und Anna hat gleich noch einige Kleider gewaschen.
Die San im Caprivistreifen leben in kleinen Gemeinschaften, wie man sie aus dem Bilderbuch kennt. Die Häuser sind rund mit einem Durchmesser von drei bis vier Metern. Die Wände bestehen aus einem Holzgeflecht und eine Schicht getrockneten Lehms dient als Isolation. Ein struppiges kegelförmiges Dach aus Stroh bildet den Abschlusss und schützt gegen die vor allem im Sommer heftigen Regenschauern. Normalerweise stehen um die vier Häuschen zusammen zwischen dichtem Buschwerk und bilden so das Dorf einer einzigen Familie.

Einige wenig ereignisreiche Tage später sind wir über die Grenze nach Botswana gefahren. Wir haben uns entschieden, anstelle der Asphaltstrasse den Weg durch den Chobe Riverfront NP einzuschlagen. Direkt nach dem Grenzhäuschen biegt die sandige Piste ab und keine 10 Minuten im Land hat (na wer wohl?) unser Adlerauge Kathi eine Löwin entdeckt. Die Strasse führt an einem Hügel entlang, ein weites flaches Sumpfgebiet und den Chobe River überblickend und bietet sagenhafte Tierbeobachtungen. Der Chobe NP hat eine der grössten Dichte an freilebenden Elephanten. Es gibt so viele Tiere, dass es regelmässig Nahrungsknappheiten untereinander gibt. Wir hatten Glück, war die Regenzeit sehr trocken, denn dadurch versammelten sich die Tiere alle um den Chobe Fluss. Erzählungen zufolge, kann man Pech haben und im ganzen NP auf keinen einzigen Elephanten stossen. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir dann in Kasane am anderen Ende des Parks eingetroffen. Wenn mich die Leute heute fragen, was mir denn am besten gefallen hätte, kommt der Chobe Riverfront NP an vorderster Stelle.
Ein bisschen ausserhalb der Stadt haben wir uns einquartiert und dort beim abendlichen Bier einige Locals und Expats kennengelernt. Johan, ein südafrikanischer Marketingbeauftragter verschiedener Lodges hat uns eingeladen, mit ihm nach Livingstone zu fahren. Er habe einen Tag voller Meetings und wir könnten ja in der Zwischenzeit die Victoriafälle in Zambia besuchen.
Trotz einigen Kopfschmerzen am nächsten Morgen sind wir also zusammen aufgebrochen. Über den Zambesi ging es durch das Vierländereck mit der Fähre nach Zambia. Die Fahrt dauert nicht lange, ist aber ein Knotenpunkt des Schwertransports im südlichen Afrika. Da Johans Kontakt auf der Zambischen Seite Verspätung hatte, sind wir schon einmal mit einem Fremden vorgefahren, welcher uns allerdings direkt zu den Fällen gebracht hat. Die Victoriafälle sind absolut atemberaubend – kann ich mir vorstellen. Viel davon hat man allerdings nicht gesehen, da dichter Sprühnebel die Sicht auf die herunterstürzenden röhrenden Wassermassen behinderte. An einigen Stellen prasselte der Nebel sogar in Form von Regen auf uns nieder und ich war froh, einen wasserdichten Rucksack dabeizuhaben. Wir haben Johan am ausgemachten Treffpunkt wieder getroffen und sind mit ihm nach einem Mahl in Livingstone wieder zurück nach Kasane gefahren. Er hat mit uns noch eine kleine Rundfahrt durch die Stadt gemacht und gezeigt, wo die Locals in einer warmen Quelle badeten. Ich muss jetzt schon schmunzeln; auf jeden Fall sind die hot springs nur eine schlammige Pfütze zwischen ein bisschen Gras. Wir wollten eigentlich nicht darin baden, sind also mit Hosen und Schuhen über die spärlich verteilten Holzbalken zu der Pfütze hin balanciert. Anna hat einen Fehltritt gemacht und sank mit einem kompletten Bein im Schlamm ein! Ach haben wir gelacht…

Am nächsten Tag sind wir dann weiter durch den eigentlichen Chobe NP richtung Savuti / Moremi gefahren. Der Park war nicht sehr spektakulär, immer mal wieder sahen wir Antilopen, Elephanten, Giraffen und Zebras. Die Strasse war eher schlecht und holprig. Nach einer Weile sahen wir ein Auto vor uns auf der Strasse stehen. Sein Landrover hatte ein Problem mit der Luftfederung. Da es keinen Weg drum herum gab und er sein Auto nicht wegfahren konnte, haben wir einfach zur Axt gegriffen und eine Schneise in die Büsche geschlagen. Zwischen uns und dem Pannenauto war noch eine holländische Familie, deren Mutter uns mit grossen ungläubigen Augen anschaute, als Kathi sich hinters Steuer setzte und den Tiger souverän am Hindernis vorbeilotste. Da wir nichts weiter für den Südafrikaner tun konnten, sind wir weiter gefahren und haben in Savuti Bescheid gesagt.
Die letzten Stunden im Park sollten ein Vorgeschmack werden, was mich in der Kalahri erwarten würde. Mit 30 über eine sandige, hügelige Piste, jeder kleinste Fahrfehler wird sofort mit einem Scheppern aus dem Laderaum bestraft. Schlussendlich sind wir völlig fertig zum Park rausgefahren, als wir gesehen haben, dass der Diesel im Laderaum ausgelaufen ist und sich alles damit vollgesogen hat. Wir sind zu einem kleinen Camping am Fluss gefahren und haben den Laderaum komplett ausgeräumt und mit Wasser gesäubert. Es war bereits dunkel, als wir die Fahrt wieder aufnehmen konnten. Nur wenige Minuten entfernt war ein kleiner Rastplatz bei einer Brücke, den wir aber ausgeschlagen hatten. Die Gefahr, von den Flusspferden überrascht zu werden, erschien uns zu gross. Also sind wir etwas weiter gefahren und haben neben einer unbefahrenen Strasse in den Büschen geparkt. Nach einem leckeren Kürbis-Eintopf wollten wir gerade Wasser für Tee aufsetzen, als wir die Löwen gehört haben. Löwen können einerseits ohrenbetäubend laut Brüllen oder aber ganz spezielle Geräusche von sich geben, die eher einem Winseln ähneln. Es gibt eine einzige Möglichkeit, die Attacke eines Löwen abzuwehren; ruhig stehen bleiben und dem Raubtier direkt und eindringlich in die Augen schauen. Macht man eine falsche Bewegung, richtet man sein Blick ab oder dreht dem Tier gar den Rücken zu, ist das ein fast sicheres Todesurteil – so wurde uns jedenfalls gesagt. Da es schon dunkel war, konnten wir die Löwen aber gar nicht sehen, doch wir wussten, dass sie uns umkreisten. Noch bevor wir das erste Geräusch vernommen haben, wurde es um uns gespenstisch ruhig. Das Zirpen der Grillen und der Gesang vereinzelter Vögel verstummte augenblicklich. Da wussten wir, dass seine Anwesenheit alleine den anderen Tieren so viel Respekt entlockte, dass der Titel ‘König der Tiere’ absolut gerechtfertigt ist. Mit einem etwas flauen Gefühl haben wir uns etwas später ins sichere Zelt zurückgezogen und das Zähneputzen für einmal ausgelassen. Am nächsten Morgen haben wir dann auch unweit unseres Nachtlagers drei Löwenspuren auf der Strasse entdeckt. Wir wollten einen Abstecher ins Moremi Game Reserve machen, welches im östlichen Einzuggebiets des Okavangodeltas liegt. Irgendwie konnten wir aber das Eingangstor nicht finden und nach etwa zwei Stunden auf einer stellenweise überfluteten Strasse. sind wir umgedreht und Richtung Maun gefahren. Maun ist sozusagen das Tor zum Delta und wir haben uns in einem Backpacker bei der alten Brücke einquartiert. Nach über drei Wochen unterwegs in unserem Tiger haben wir ein paar Tage Auszeit gebraucht. Mein Plan war ursprünglich, die Mädels in Maun abzuladen und dann auf eigene Faust weiter in den Süden zu fahren. Anna wollte zurück nach Livingstone in Zambia und von dort mit dem Zug zurück nach Malawi. Kathi ist auf direktem Weg nach Gaborone und von dort weiter nach Johannesburg um ihren Rückflug nach Österreich zu erwischen. Wie man so schön sagt, werden Pläne gemacht um sie wieder zu verwerfen. Ich habe schlussendlich 5 Nächte in Maun verbracht. Mit Anna und zwei Israelis haben wir einen wunderschönen Ausritt ins Delta gemacht, mit einem etwas verdattertem Guide, welchem wir um die Ohren galloppiert sind. Auch als ich alles gepackt hatte und weiterziehen wollte, haben mich die Mädels noch zu einem Rundflug über das Delta überredet. Wer einen Überblick über das riesige Gebiet haben möchte, kommt um einen Rundflug kaum herum. Der 50 minütige Flug in einer einmotorigen Cessna war sehr gut investiertes Geld und war auch ein gelungener Abschluss unserer Reise zusammen als Team.

Ich möchte nicht zu viel in diesen Eintrag packen, verspreche euch jedoch, den Rest der Reise im white Tiger baldmöglichst niederzuschreiben.

Momentan sitze ich seit etwa 14h in einem Bus, der mich nach Nampula im Norden Mozambiques bringt. Es fehlen noch sehr viele Stationen und ich weiss, dass ich in letzter Zeit nicht fleissig genug war mit dem Blogschreiben, aber es war einfach sooooo viel los 🙂

White Tiger – Teil 2

Ich fuehle mich momentan gerade ueberhaupt nicht nach Blog schreiben, doch nach einigen erholsamen Tagen in Maun am suedlichen Ende des Okavango Deltas fuehle ich mich verpflichtet, die bisherigen Geschehnisse festzuhalten.

Der letzte Eintrag endet mit unserer Fahrt nach Walvis Bay. Die Fahrt dorthin fuehrte durch karge Wueste ohne eine einzige Pflanze. Die Sandkoerner glaenzten im hellen Licht der Mittagssonne. Das Quecksilber hat die geschaetzte 40 Grad Grenze bei weitem ueberschritten. Doch je mehr wir uns dem Ozean naeherten, kam eine erfrischende Kuehle dazu. Schon von Weitem sahen wir den Grund dafuer; ein dichter Nebel huellt den gesamten Kuestenstreifen in ein gespenstiges Grau. Auf den letzten 5 Kilometern kuehlte es um mindestens 20 Grad ab und die heisse Wuestenluft verwandelte sich in ein von Zuhause gut bekanntes Grau in Grau. Die Hafenstadt Walvis Bay ueberzeugte uns nicht wirklich und so sind wir ohne Pause direkt auf die vorgelagerte Halbinsel namens Pelican Point gefahren. Ein Einheimischer sagte jedoch, dass wir aufpassen muessen, um nicht im dichten Sand stecken zu bleiben. Tatsaechlich fuehrte eine feste Strasse an einer Saline vorbei und ab dem Abzweiger zum Pelican Point gab es nur noch Fahrrinnen im tiefen Sand. Ich habe sogleich in den Allradmodus gewechselt und wir meisterten die 20km einigermassen problemlos. Ein schwarz-weisser Leuchturm thronte ueber der Sandbank und zeigte uns das Ende der Strecke an. Um nicht im tiefen Sand stecken zu bleiben, fuhren wir gleich in die Auffahrt einer luxurioes anmutenden Lodge, doch diese lag einige Meter erhoeht und in dieser kaum merklichen Steigung nuetzte alles kuppeln und schalten nichts mehr; wir haben uns eingebuddelt. Nach einigen Versuchen kamen auch gleich die Koeche in Arbeitskleidung angerannt und haben uns mit purer Muskelkraft geholfen uns zu befreien. In einem etwas verdichterten Stueck blieb ich stehen und erstmals konnten wir die Umgebung auf uns wirken lassen. Auf der Meerseite tummelten sich Robben im Wasser und surften sogar in den Wellen. Die lustigen Tiere sind aus dem Wasser gesprungen und haben sich ueberschlagen. Ein wenig weiter sahen wir dann riesige Robbenkolonien und das Spektakel nahm seinen Lauf, als wir uns einer Kolonie von etwa 800 Tieren naeherten. Die traege Masse verschob sich langsam aber laut quitschend ins Wasser, wo sie fuer ein riesiges Gewusel sorgten. Um nicht noch weitere Tiere zu stoeren, beschlossen wir an den stinkenden Kadavern vorbei zurueck zum Auto zu marschieren. Noch immer den Gestank der verendeten Robben in der Nase rochen wir unser ebenfalls nach durchgebrannter Kupplung stinkendes Auto von weitem. Vorbei an einbeinig im Wasser stehenden und nach Krebschen fischenden Flamingos ging es in die Stadt zurueck, wo sich Kathi nach dem Verlust ihrer Kamera auf den Duenen des Sossusvleis eine neue kaufte.

Etwa eine halbe Autostunde noerdlich von Walvis Bay gelegen, liegt die “deutsche” Stadt Swakopmund. Deutsch insofern, dass die Haeuser massgeblich von der deutschen Architektur gepraegt sind und ein Grossteil der Einwohner noch immer deutscher Abstammung ist oder zumindest Deutsch sprechen. Wir haben uns nach Tagen des Bush-Campens endlich mal auf einen Campingplatz gestellt und die Chance genutzt um Waesche zu waschen und unseren Freunden zu Hause via Internet ein Update geben zu koennen. Kathi und ich haben am fruehen Abend noch ein wenig die Stadt erkundet und haben uns ein leckeres Abendessen in einem Restaurant am Strand bestellt. Erstmals seit Beginn der Reise hatten wir eine Auseinandersetzung, welche wir aber am naechsten Tag mit einem klaerenden Gespraech entschaerfen konnten. Am darauffolgenden Morgen haben wir den Welwitschia Drive in Angriff genommen. Der Name stammt von der Welwitschia Pflanze, welche mehrere hundert Jahre alt werden kann und deren zwei sich am Boden windenden Blaetter einen Durchmesser von mehr als zwei Meter erreichen koennen. Eine weitere Attraktion war die Moonlandscape, von der man sagt, dass die Amerikaner an genau jenem Ort die Mondlandung im Jahre 1969 gefilmt haetten. Die Moonlandscape ist ein flacher Canyon von mehreren Kilometer Ausdehnung. Wir sind dann nochmals in die Stadt gefahren um etwas zu essen und einen Kaffee zu trinken und am spaeten Nachmittag weiter Richtung Norden gefahren, wo wir uns direkt am Strand neben einem Wrack fuer die Nacht eingerichtet haben.

Beim Fruehstueck wurden wir auf einen Wal aufmerksam, der dicht entlang der Kueste direkt vor unserem Schlafplatz vorbeigezogen ist. Nach diesem wundervollen Start in den Tag sind wir weiter in den Norden nach Henties Bay gefahren um noch einige Einkaeufe zu taetigen und unser Auto vollzutanken. Wir haben das Spiel der Marine beim Aussteigen aus einem Bus gesehen und wollten natuerlich wissen, was der Anlass dafuer ist. Gleich wurden wir von einem Organisator der Parade informiert, dass Henties Bay den Tag der 25-jaehrigen Unabhaengigkeit von Deutschland feierte und wir wurden mit Tshirts, Fahnen und Schirmmuetzen eingedeckt. Anna und Kathi haben noch einen Kaffee getrunken und so kam es, dass ich als einziger Weisser bei der Parade durch die Stadt mitgelaufen bin. Begleitet durch die Marschmusik der Kapelle bin ich tanzend mit einem Maedchen, welches Gefallen an mir gefunden hatte, an den Schaulustigen vorbeigelaufen und wir haben uns nach etwa 20 Minuten im oertlichen Sportstadium eingefunden. Da gab es einige Feierlichkeiten, welchen wir beiwohnten bevor wir uns dann weiter auf den Weg nach Spitzkoppe gemacht haben. Vom Meer abgewandt fuhren wir durch Trockensavanne zu dem Bergmassiv, welches sich mitten im Nichts 700m aus dem Grund erhebt. Nach einer kurzen Beratung haben wir beschlossen, uns fuer eine Nacht im Camping am Fusse der Berge niederzulassen. Wir sind ein wenig umherspatziert, haben Fotos in der imposanten Steinbruecke gemacht und uns in den Rock Pools vergnuegt. Im Allgemeinen genossen wir die Ruhe und Kraft der uns umgebenden Bergspitzen und sassen Abends noch lange zusammen am Lagerfeuer.

Die Spitzkoppe sind nebst dem imposanten aus dem Nichts ragenden Berge auch fuer die Hoehlenmalereien der San bekannt. Wir konnten am naechsten Tag fuer wenig Geld einen Guide anheuern und durften somit auch die Malereien bewundern. Trotz des geschaetzten Alters von mehr als 4000 Jahren war die aus Blut, Faekalien und Pflanzensaeften hergestellte Farbe noch deutlich erkennbar und wir konnten das Nashorn, den Elefanten, den Strauss und einige weitere Tiere problemlos identifizieren. Jedes dieser Tiere hat eine Bedeutung, das Nashorn zum Beispiel zeigt in Richtung der Rock Pool, also deutet auf eine Wasserquelle hin. Nach einer erfrischenden Dusche fuhren wir weiter landeinwaerts richtung Twyfelsfontain. Erstmals wurde die Vegetation etwas ueppiger, das Gruen der Akazien leuchtete inmitten des schimmernden Grases in der roten Erde. Am Strassenrand sahen wir nebst lokalen Hererofrauen, welche Puppen und Koerbe verkauften, einen Autofahrer mit Panne, welchen wir mit Wasser, einigen Aepfeln und etwas Geld versorgten. Als wir etwas spaeter einen weiteren Typen mit Panne entdeckten wurden wir langsam misstrauischer, beim Dritten wurde uns dann endlich bewusst, dass wir abgezockt wurden. Der Tag war schon weit fortgeschritten, als wir in Twyfelsfontain angekommen sind. Nach einem kurzen Halt in der Lodge, aus der das gesamte “Dorf” besteht, fuhren wir weiter zum verbrannten Berg. Die regulaere Schotterpiste endet hier und ein ausgewiesener 4×4 Track fuehrte etwas weiter in die wieder karge Landschaft hinein. In der Annahme, dass nicht viele Leute diesen Weg fahren wuerden, sind wir einige Meter reingefahren und haben uns in einer Ebene hingestellt um Abendessen zu kochen. Spaeter in der Nacht haben wir uns nach etwas Wein und Schnapps auf das Dach des Autos gestellt und unter leuchtenden Sternen zu der lauten Musik aus dem Radio getanzt. Es war ein traumhaftes Ende eines langen und ermuedenden Tages.

Mittlerweile wurde unser Tagesrhytmus von der Sonne bestimmt und wir sind kurz vor Sonnenaufgang aufgewacht. Nach einem kurzen Fruehstuck haben wir nochmals den verbrannten Berg besucht und sind dann weiter zum Huab River gefahren. Mein Vater gab mir den Tipp, dass im Flussbett Elefanten leben und wir wollten diese um jeden Preis sehen. Leider hatten wir kein Bargeld mehr bei uns und so sind wir ohne Guide auf gut Glueck in den ausgetrockneten Flusslauf reingefahren. Wir hatten Glueck! Nach etwa 5 Kilometern sahen wir ein Safari Auto und die besagten Elefanten. Es waren bestimmt ueber 25 Tiere da inklusive Jungen. Wir konnten uns bis auf etwa 15 Meter an die gemaechlichen Tiere annaehern und haben die Riesen lange beobachtet. Es ist ein faszinierendes aber zugleich auch beaengstigendes Gefuehl, von den groessten Landsaeugetieren mitten in der Wildnis umgeben zu sein. Voellig ueberwaeltigt von dem Gesehenen sind wir dann weiter durch ein von Tafelbergen gepraegtes Gebirge gefahren. Kurz vor Sesfontain hatten wir dann in Warmquelle einen weiteren Platten, welchen wir trotz der sengenden Mittagshitze im Nu reparieren konnten. Im Fort Sesfontain konnten wir unseren Wasserkanister auffuellen und sind noch etwas weiter in die Berge gefahren. Es war relativ schwierig, einen Rastplatz zu finden. Nach einiger Zeit haben wir dann ein Plaetzchen in einem Tal gefunden und das Abendessen zubereitet. Schon beim Essen trampelten Kuehe keine 10 Meter an uns vorbei und die ganze Nacht war das Trotten und Muhen der Kuehe zu hoeren.

An dieser Stelle moechte ich den Leser beruhigen, ich werde nur noch einen weiteren Tag beschreiben bevor ich fuer heute Schluss mache.

Beim Fruehstueck habe ich einen Riss in der Seitenwand des Pneus bemerkt, welcher wohl von einem Stein kommen musste. Wir beschlossen, nicht mehr allzuweit auf diesem Reifen zu fahren, welcher im Falle einer Explosion ein betraechtliches Sicherheitsrisiko darstellte. Die Gegend rund um Opuwo und dem Kaokoveld wurde zunehmend belebter. Ueberall in den Bueschen wohnten Menschen in kleinen Lehm- und Holzhaeusern und neben der Strasse trieben Bauern die Kuh- und Ziegenherden voran. Als uns eine Gruppe von 4 Jungs auf Esel geritten entgegenkamen und uns nach Wasser fragten, haben wir die Gelegenheit gepackt und einen kleinen Ritt auf dem gesattelten Esel unternommen. Im Gegenzug fuer das gespendete Wasser gaben sie uns eine Flasche ziemlich saeuerlicher Milch. In den Doerfern sahen wir die bekannten barbusigen Himbafrauen und zwei junge Maedchen haben uns nach Kleidung gefragt. In Opuwo konnten wir dann einen neuen Reifen aufziehen und uns nochmals mit Lebensmitteln und Benzin eindecken. Wir sind dann weiter zu den Epupa Falls an der Grenze zu Angola gefahren und haben dort mit den oertlichen Kindern gebadet. Anna hatte sich die Haare im afrikanischen Stil flechten lassen, waehrend ich mich mit einem Bier in der Hand in den Pools erfrischt habe. Die Epupa Falls, so sagt man, seien der kleine Bruder der Victoria Falls und nach einem kurzen Spaziergang eroeffnete sich uns die gesamte Pracht der Wasserfaelle. Ueber einen Kilometer in der Breite stuerzt sich das Wasser in vielen kleinen Baechen etwa 15 Meter in die Schlucht. Wir sind etwas weiter Flussaufwaerts gefahren und haben uns am Ufer des reissenden Flusses unter riesigen Palmen niedergelassen. Einige Meter neben uns war ein kleines Camp von Strassenbauern, welche uns ueber das dort lebende Krokodil unterrichtet haben. Wir genossen einen wundervollen Abend bei Kerzenschein und Lagerfeuer, natuerlich immer auf der Hut vor dem Krokodil. An diesem Abend beschlossen wir, noch einen weiteren Tag an diesem magischen Ort zu bleiben.

Ich finde, das reicht jetzt erst Mal wieder und ich moechte noch einen kurzen Ausblick auf den naechsten Bericht geben. Nach dem Besuch eines Himbadorfes sind wir weiter durch den Artenreichen Etosha National Park gefahren und durch den Caprivizipfel nach Botswana eingereist. Von Kasane aus haben wir die maechtigen Victoria Falls besucht und sind weiter durch den Chobe NP nach Maun gefahren, wo ich momentan bin. Ich werde aber heute Anna und Kathi verlassen und reise mit zwei Israelis im Konvoi durch die endlosen Salzpfannen des Makgadikgadi NP bevor ich die Central Kalahari Wueste durchquere. Bilder gibts leider nur wenige hier, auf meiner Facebookseite versuche ich jedoch immer die Besten hochzuladen. Vielen Dank fuers Lesen, bis zum naechsten Mal.

 

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Epupa FallsDSC09485

HimbaDSC09305

SpitzkoppeDSC09390

Huab River ElefantenDSC09268Feier in Henties Baz

 

White Tiger – Teil 1

Der Start unserer Reise in Kapstadt liegt eine gefühlte Ewigkeit zurück. Ich sitze jetzt gerade am Lagerfeuer, die Sonne hat sich für heute schon seit Stunden verabschieded und die Mädchen haben sich schlafen gelegt. Alles begann im Hostel in Kapstadt wo ich Anna, eine fesche Österreicherin aus Lienz getroffen habe. Da sie bereits seit Oktober letzten Jahres in Afrika weilt, habe ich sie auf meine geplante Fahrt in einem 4×4 Auto durch Namibia und Botswana angesprochen. Nach erstaunlich kurzer Bedenkzeit und dem Abwägen der ungefähren Kosten hat sie provisorisch zugesagt. Sie meinte, dass eine ihrer Freundinnen in Österreich bestimmt auch Interesse daran haben würde und überbrachte ihr den Vorschlag. Kurz darauf habe ich Offerten verschiedener Autovermieter verglichen und schliesslich unser Wunschauto für 40 Tage reserviert. Nicht viel später habe ich Kathi auch schon am Flughafen in Kapstadt abgeholt. Bereits nach den ersten Minuten hatte ich ein gutes Gefühl und wusste, dass die Reise in diesem Team ein Erfolg werden würde. Ausgemacht wurde, dass wir über Namibia hochfahren und Anna und Katharina etwa nach drei Wochen auf Höhe der Victoria Falls in Sambia und Simbabwe aussteigen würden und ich alleine oder eventuell mit neuer Begleitung durch Botswana zurück nach Johannesburg fahre.

Das Auto wurde vom Sohn des Vermieters von Johannesburg nach Kapstadt gefahren und uns am Morgen des 9. April übergeben. Gleich darauf haben wir Lebensmittel für die erste Woche gekauft und uns auf den Weg gen Norden gemacht. Durch das Hinterland der Westküste fuhren wir bis kurz vor Springbok und haben da einen lokalen Bauern gefragt, ob wir auf seinem Farmgelände übernachten dürfen. Seine Tochter musste zwar übersetzen, da er nur Afrikaans spricht, doch es ging alles auf und so haben wir das erste Mal unsere Zelte unter einem doppelten Regenbogen aufgeschlagen.

Durch die karge Einöde ging die Fahrt weiter bis an die Grenze zu Namibia. Der Grenzübertritt gestaltete sich als unproblematisch und wir fanden vor Einbruch der Dunkelheit ein schönes Nachtlager etwas abseits der Strasse hinter einem Hügel. Wir haben die Gegend zu Fuss erkundet und als wir zurück zum Auto gekommen sind, vernahm Kathi ein leises Zischen beim hinteren Reifen. Ich wollte auf keinen Fall eine Panne an einem unzugänglichen Ort haben, also sind wir mit halber Luft im Pneu zurück zur Strasse gefahren. Dort habe ich das Rad demontiert und mit dem mitgelieferten Reparaturkit versucht das Loch unter riesigem Kraftaufwand zu stopfen. Leider war diese Aktion letztendlich trotz zahlreichen Versuchen nicht erfolgsgekrönt, so dass wir beschlossen haben, das Ersatzrad zu montieren. Nach einer wohlverdienten Stärkung haben wir uns nur einige Meter von der Strasse entfernt schlafen gelegt. Trotz der Nähe zur Grenze passierte uns bis zum Morgen kein einziges Auto.

Wir sind dann auf dem Ersatzreifen bis nach Ais-/ais gefahren (die /-Zeichen beschreiben Klicklaute in der Sprache der San, z.B. Zungenschnalzen), wo wir den kaputten Pneu reparieren liessen und wir uns ein Bad in den bis zu 65C heissen Quellen gönnten. Nur eine Autostunde entfernt befindet sich der imposante Fishriver Canyon. Das durch Erosion zustande gekommene Tal erstreckt sich über eine Länge von 150 km und ist an der tiefsten Stelle 550 m tief. Die Touristensaison geht in Namibia erst im Juni los und so waren wir fast die einzigen Besucher dieses südnamibianischen Landmerkmals. Auf dem Weg zum Canyon haben wir zwischen den Felsen auch unsere ersten Zebras gesehen – es sollten noch viele mehr folgen. Auf sandiger Piste fuhren wir weiter bis zum Naute Dam, ein kleiner Stausee mit einem beeindruckenden Sonnenuntergang. Wir haben den Tag mit dem von Kathi mitgebrachten Himbeerschnaps abgeschlossen, wobei jemand etwas zu tief ins Glas geschaut hatte…;-)
Wir haben uns dann, alle etwas verkatert, auf den Weg nach Lüderitz gemacht und hinter dem Wüstenstädchen Aus die wilden Pferde und Oryxantilopen beobachtet. Der gesamte Südwesten Namibias wird von der Wüste Namib bestimmt und wir waren froh, als wir hinter den Sanddünen der ältesten Wüste der Welt den Nebel Lüderitz’ sahen und die Luft zunehmend salziger wurde. Kurz vor der Hafenstadt ist Kolmanskopp, ein ehemaliges Minenarbeiterdorf, welches nach dem Versiegen der leicht zugänglichen Diamantenminen langsam von der Natur zurückerobert wurde. Heute dient es als anschauliches Beispiel einer Geisterstadt. Der gesamte Küstenstreifen von der südlichen Grenze bis Lüderitz ist Sperrgebiet und nur mit spezieller Erlaubnis befahrbar. Grund dafür ist eines der grössten Diamantenvorkommnisse unserer Erde. Gerüchten zufolge konnte man vor hundert Jahren im Mondschein die Diamanten im Wüstensand schimmern sehen und einfach auflesen.

Lüderitz selbst war wie viele Küstenregionen Namibias in dicken Nebel eingehüllt und das Thermometer fiel in den letzten 5km um gute 25C. Zudem war bei unserer Einfahrt Sonntag und die deutsch-geprägte Stadt glich selbst einer Geisterstadt. Sämtliche Geschäfte waren geschlossen und wir traffen auf den Strassen der gesamten Stadt nur auf 4 Menschen. Um dieser trostlosen Gegend zu entkommen, fuhren wir weiter auf die Halbinsel und statteten dem bekannten Speedstrip einen Besuch ab. An diesem für mich speziellen Ort wurde ein Kanal ausgehoben, wo sich jedes Jahr Windsurfer und Kiter zur Jagd auf den Rekord des schnellsten windangetriebenen Wasserfahrzeugs treffen. Der momentane Rekord liegt übrigens bei über 105 km/h und wurde an genau diesem Ort von einem französischen Kiter aufgestellt. Eine freundliche Rezeptionistin des Campingplatzes hat uns auf eine versteckte Bucht aufmerksam gemacht, wo das freie Campen kein Problem war.

Die Kälte in den Knochen waren wir froh, als es am nächsten Morgen den selben Weg zurück in die heisse Namib ging. In Aus bogen wir nach Norden ab und durch den kürzlich gefallenen Regen sprossen saftig-grüne Grashalme aus der roten Erde, was für einen unwirklichen Kontrast sorgte. Durch lavaüberströmte Berge ging es vorbei an Geiern, Oryx und Wanderfalken zu dem Duwisib Castle mitten in einem grünbewachsenen Tal. Um der Natur ein Stück näher zu sein, sassen wir abwechslungsweise auf dem Dach des Autos, welches mit über 80 km/h über die Schotterpiste bretterte. Anna sass auf dem Dach, als wir beim Castle angekommen sind und die Mitarbeiter verpassten ihr kurzerhand den Spitznamen “Monkey”, was für einige Lacher sorgte. Das Castle selbst war durch den Einfluss der Deutschen geprägt, stiess bei uns allerdings nicht auf wahnsinnige Begeisterung.

Duwisib Castle

Nach einer weiteren Nacht in einem Tobel am Strassenrand (die kilometerlangen Zäune entlang der Strassen macht ein Entfernen von derselbigen beinahe unmöglich. Trotzdem fühlt man sich in der Wildnis, da sowieso niemand vorbeifährt) und einigen unheimlichen Geräuschen fuhren wir in das Gebirge des Namib-Naukluft Parks und wanderten entlang des 10km langen Olive Trails. Die Bewegung nach den langen Passagen des im-Auto-sitzens war eine willkommene Abwechslung. Um möglichst nahe am Tor des Sossusvleis zu sein, fuhren wir am selben Tag noch weiter, bis wir etwa 30 km vor Sesriem bei Einbruch der Dunkelheit unser Nachtlager unter einem Baum neben der Strasse errichteten. Unser Wasserkanister konnten wir in einer luxuriösen Lodge auffüllen und somit waren wir gewappnet für den Ausflug zu den weltbekannten Dünen des Sossusvleis am nächsten Morgen. Nach dem Abendessen wollten wir gerade den Schlummertrunk einnehmen, als etwa zwei Meter von unseren Füssen entfernt ein Skorpion versuchte, ein zusammengeknülltes Taschentuch mit seinem Stachel zu töten. Wir sind wie von der Tarantel gestochen (haha) hochgeschreckt und haben uns auf der fest installierten Sitzbank in Sicherheit gebracht. Mit Hilfe unserer Stirnlampen haben wir den Skorpion nie aus den Augen gelassen, ausgetrunken und uns mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengegend ins Zelt verkrochen.

Die rot leuchtenden Sanddünen des Sossusvleis kommen in der Morgensonne am schönsten zur Geltung und deshalb machten wir uns um 5 Uhr morgens zum Eingang des Parks auf. Als Erste in einer Reihe von Autos, die dem Osterstau vor dem Gotthard Konkurenz machte, frühstückten wir an der Heckklappe des Tigers und wurden zu einer Touristenattraktion des Busses hinter uns. Man stelle sich vor, 20 Leute, eingepfercht in einem Lastwagen, welcher die wichtigsten Attraktionen des Landes im Eiltempo abklappert, löcherten uns frühmorgens mit allen möglichen Fragen. Wir nahmens jedenfalls mit Humor und hoffen, vielleicht einige Personen zu einem zukünftigen Abenteuer inspiriert zu haben. Als sich das Tor dann zum Sonnenaufgang öffnete fuhren wir direkt zu den 60km entfernten Dünen um das Naturwunder vor den Massen in Ruhe bewundern zu können. Auf dem Weg kreuzten zwei Schakale die Strasse und im weiten Tal zwischen den Dünen konnte man die ein oder andere Antilope erspähen. Die letzten 4 km zum Parkplatz führten durch lockeren Sand mit tiefen Fahrrinnen. Mit unserem 4×4 Antrieb und genug Momentum kamen wir locker durch, während Fahrer von normalen Autos erst in ein Taxi umsteigen mussten. Wir bestiegen eine etwa 150 m hohe Düne und hinter der Spitze lag das noch immer im Schatten gelegene Deadvlei zu unseren Füssen. Das Wort ‘Vlei’ bedeutet See auf Afrikaans und der Blick auf die berühmte Kalkpfanne mit den abgestorbenen Bäumen, welche als Fotosujet für ganz Namibia herhalten muss, erhellte unsere Morgenstimmung. Beim Runterspringen von der Düne rutschte Katharinas Kamera aus der Tasche und war in Folge nur noch ein Stück Elektroschrott gefüllt mit Sand. Anna und ich haben dafür gleich Fotos für drei gemacht. Auf dem Rückweg machten wir noch Halt bei der Düne 45 bevor wir uns auf den Campingplatz schlichen und erstmals nach 7 Tagen duschen konnten. Mit dem verfügbaren Wasser konnten wir auch endlich das dürftig gewaschene Geschirr säubern und genossen die übrigen Annehmlichkeiten der Zivilisation, wie z.B. einen italienischen Espresso. Wir haben voll getankt und noch einen kurzen Abstecher zum Sesriem Canyon gemacht, doch nach dem gestrigen Canyon auf dem Olive Trail war Sesriem mehr Pflichtprogramm als atemberaubend. Nach dem Mittag sind wir weiter richtung Kuiseb Pass gefahren, wo wir auf einen belgischen Radler stiessen, der im Schatten eines Baums der Mittagshitze zu entkommen versuchte. Wir haben ihn mit einem eiskalten Bier versorgt und Anna hat ihn mitten auf der Strasse physiotherapeutisch am Rücken behandelt. Die Gegend um uns rum hat sich von Wüste in Trockensavanne verwandelt und nach der Überquerung des südlichen Wendekreises kamen wir in ein stark erodiertes Gebirge mit weichen Linien und furchigen Wasserläufen. Wir wollten uns eigentlich auf einen Hügel neben der Strasse stellen, haben dann aber abgehende Fahrspuren gesehen, welchen wir etwa 2 Minuten gefolgt sind und uns plötzlich vor einer Grotte befanden. Einstimmig wurde der Platz als unser nächtliches Lager erkoren. Die ganze Nacht durch hörten wir das Wiehern der Zebras.
Am nächsten Morgen fuhren wir über den schönen Kuiseb Pass und weiter durch die endlose Weite der weiss glänzenden Namib mit der Hafenstadt Walvis Bay als Ziel.

Mittlerweile ist das Lagerfeuer erloschen, der Wein ausgetrunken und Zeit für mich, ins Bett zu hüpfen. Wir sind übrigens momentan auf dem Weg zum Caprivistreifen und haben mit Himbas Wäsche im Fluss gewaschen, die Haare flechten lassen und die vielfältige Tierwelt des Etoschas bewundert. Doch dazu mehr im nächsten Teil.

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Fishriver Canyon

 

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Sossusvlei

 

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The Grotto

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Spitzkoppe

Tavern of the Seas

Das muslimische Stadtviertel Bo Kaap mit seinen bunten Haeusern

Kapstadt. Die Schenke der Weltmeere. Mother City. Die Stadt hat viele Namen und alle davon strahlen einen gewissen Stolz aus. Kapstadt ist anders. Sie wurde schon in fruehen Jahren eine der wichtigsten Staedte fuer die Seefahrer. Auf der Route vom Atlantik zum Indischen Ozean war ein Stopp Pflicht um sich mit neuen Vorraeten einzudecken und einen geeigneten Zeitpunkt fuer die Kapumfahrung abzuwarten. Die Praegung der Einheimischen durch die Niederlaender ist noch deutlich zu sehen, aber ebenso hat der britische Lebensstil eine wichtige Rolle im Alltag eingenommen. Es wird Cricket geschaut und Fish & Chips gegessen. Die meisten Leute lernen in der Schule Englisch, Afrikaans und eine lokale Sprache, in Kapstadt ist das Xhosa. Verstaendigung ist also ueberhaupt kein Problem.

Camps Bay mit den 12 Aposteln

Camps Bay mit den 12 Aposteln

Nach meiner Ankunft Anfang Februar habe ich die ersten Tage mit Windsurfen bei erstklassigen Bedingungen an den Straenden der Kapregion genutzt. Das Schoene an dem Windsystem ist, dass es erst ab Mittag anfaengt zu arbeiten. Man hat also den ganzen Morgen “frei” und kann somit ohne schlechtes Gewissen auch die ein oder andere Nacht etwas laenger feiern. Natuerlich kann man die Morgenstunden auch fuer Aktivitaeten nutzen, von denen es ein breites Angebot gibt: Mountainbiken und Weintasting in Stellenbosch (die Reihenfolge ist zu beachten), ans Kap zu fahren, wellenreiten, ein paar Baelle von einer ‘ziemlich abgeranzten’ Driving Range zu schlagen, einkaufen oder die Stadt zu erkunden. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir die meisten dieser Morgen zur Entspannung und Genesung genutzt haben. Jeden Tag einige Stunden in der Welle zu surfen, spuert man im Koerper bewiesenermassen.

Windsurfen in Milnerton

Windsurfen in Milnerton

Witsands auf der Kaphalbinsel

Witsands auf der Kaphalbinsel

Am Kap der Guten Hoffnung

Am Kap der Guten Hoffnung

Mit einigen Langzeitaufenthaltern im Hostel habe ich viel unternommen. Beim letzten Vollmond beispielsweise, sind wir um halb 4 in der Frueh aufgestanden um auf den 1’087m hohen Tafelberg zu wandern und von da den Sonnenaufgang anzusehen. In voelliger Dunkelheit sind wir im Mondlicht durch die noerdliche Spalte in knapp fuenfviertel Stunden aufs Plateau gestiegen. Oben angekommen hatte gerade erst die Daemmerung eingesetzt, wir hatten also noch etwas Zeit bis zum Sonnenaufgang. Wir sind weiter bis zum hoechsten Punkt, dem Beacon of good hope oder Maclear’s Beacon, gewandert und haben uns da in voelliger Einsamkeit den Sonnenaufgang und die langsam erwachende Stadt am Fusse des Bergs angesehen. Nach einer kleinen Rast mit einem erholsamen Nickerchen sind wir wieder abgestiegen. Chris und ich haben vorgelegt und den stufigen Weg in unter einer halben Stunde bewaeltigt. Ich konnte eine Woche nicht mehr gehen danach…

Warten auf die Sonne mit dem Stadtzentrum im Hintergrund

Warten auf die Sonne mit dem Stadtzentrum im Hintergrund

Die Kaphalbinsel

Die Kaphalbinsel

Ein anderes Mal sind wir als Riesengruppe auf den Lion’s Head zum Sonnenuntergang gestiegen. Auch diese 1.5 stuendige Wanderung ist kein Sonntagsspaziergang aber auch keine Kilimandscharobesteigung, so wie einige Leute davon erzaehlen. Auf dem Gipfel des Lion’s Head hat man einen wunderschoenen Ausblick auf die Camps Bay und die Kaphalbinsel, sowie auf das vom Tafelberg geschuetzte Stadtzentrum. Spektakulaer kann man den Wolken zusehen, wie sie ueber den Tafelberg gleiten und sich nach einem kurzen Abstieg im Nichts aufloesen. Diese typischen Wolken ueber dem Berg kuendigen uebrigens auch den thermischen Wind Cape Doctor an.

Unsere Gruppe auf dem Lion's Head

Unsere Gruppe auf dem Lion’s Head

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Muizenberg in der False Bay ist auf jeden Fall auch ein Besuch wert. Die kleine verschlafene Stadt am Rande der Cape Mountains stroemt einen ganz eigenen Charme aus. Die Wellen gehoeren zu den langsamsten der Welt und sind bestens fuer Longboarder geeignet. Einen kleinen Nachteil hat der Spot allerdings: Haie. Die Falsebay ist riesig und befindet sich schon oestlich des Kaps. Ab da drueckt der warme Agulhasstrom warmes Wasser des Indischen Ozeans an die Kueste Suedafrikas. Im kalten arktischen Benguelastrom, welcher die Westkueste Afrikas hochzieht fuehlen sich die grossen Haie nicht sehr wohl und meiden es groesstenteils. Sowas habe ich mir jedenfalls die ganze Zeit eingeredet. Auf jeden Fall, um wieder auf Muizenberg zurueck zu kommen, sitzen da Haibeobachter in den Bergen, um im Falle einer Sichtung sofort Alarm zu schlagen. Trotzdem gibt es immer noch jedes Jahr mehrere Attacken auf Surfer. Auch habe ich erfahren, dass die Sharkspotter nur noch gleichgeschlechtliche Schichten fuehren duerfen, da bisher die Ablenkung durch das andere Geschlecht doch sehr gross werden konnte.

Etwas weiter der Kueste entlang fuhren wir nach Simons Town zu Boulder’s Beach wo sich eine von nur drei Pinguinkolonien auf dem Festland Suedafrikas befindet. Ein Steg fuehrt ueber den seit 1985 von Brillenpinguinen bevoelkerten Strand wo man den Tieren beim Jagen im Wasser, beim Faulenzen am Strand oder bei der Sicherstellung der zukuenftigen Generation zuschauen kann. Die Pinguine kommen vereinzelt an der ganzen suedlichen Kueste vor und ich habe sie auch schon beim Windsurfen an der Westkueste im Wasser schwimmen sehen.

Brillenpinguine am Boulder's Beach

Brillenpinguine am Boulder’s Beach

Auf der Kaphalbinsel kommen auch die Baboons vor. Diese Paviane zeigen ein aggressives Verhalten sobald sie moegliches Futter sehen und koennen angeblich auch Autotueren aufreissen. Sobald ein Baboon vom Menschen gefuettert wurde, kann er dieses Verhalten nicht mehr ablegen und muss getoetet werden. Ich habe allerdings die Affen als sehr friedlich erlebt. Meistens laufen sie ruhig durch die Gegend oder trinken weggeworfene Yoghurtdrinks aus dem Muelleimer. Ich habe auch Baboons beim Wandern in den Cederbergen getroffen, wo sie weit weg von menschlicher Zivilation leben und ebenfalls neugierig aber keinesfalls aufdringlich waren.

BABOONS!

BABOONS!

Wie ihr vielleicht auch von der schweizer Presse mitbekommen habt, haben Buschbraende in der ganzen Kapregion gewuetet und zahlreiche Menschen um ihr Heim gebracht. Die Loeschhelikopter flogen Tag und Nacht und wir konnten sogar beobachten, wie sie die Loeschsaecke im Teich eines Wohnheims aufgefuellt haben, damit sie nicht im weiter entfernteren Meer tanken muessen. Riesige Flaechen sind abgebrannt und hinterlassen eine Landschaft aus Asche und versengten Aesten.

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Wir haben auch noch einige Surftrips zu den Spots im Norden gemacht. In Paternoster hatte ich eine der schoensten Surftage mit Weltklassebedingungen. Schon bei der Einfahrt zum authentischen Fischerdorf erwarten einen die Fischer mit den frisch gefangenen Langusten, welche sie zu Verkaufszwecken durch das Fenster ins Auto halten. Die Welle laueft in einem Halbkreis durch die Bucht und das Wasser dazwischen ist seidenglatt. Der Wind wehte mit durchschnittlich 7 Windstaerken und die Welle brachte es auf gute 2m. Nach so einem Genusstag fuhren wir koerperlich total ausgemerzelt aber mit einem Laecheln auf den Lippen Abends zurueck nach Kapstadt.

Nach einem eher ungluecklichen Unfall, bei dem ich mir durch den Fall auf eine Mueslischuessel den linken Mittelfinger aufgeschlitzt habe und mit 5 Stichen genaeht werden musste, war ich erst einmal Weg vom Wasser. Ich habe diese Tage genutzt um meine weitere Reiseplanung voranzutreiben und habe Anna im Hostel kennengelernt. Ich habe ihr von den Plaenen erzaehlt mit einem Allrad-Jeep durch Namibia und Botswana zu fahren und konnte sie dafuer begeistern. Zusammen mit einer Freundin von ihr, welche am Dienstag runterfliegt, werden wir danach die Reise durch Namibia bis zu den Victoriafaellen zwischen Zambia und Zimbabwe in Angriff nehmen. Ich werde danach den letzten Abschnitt durch die Kalahariwueste bis Johannesburg entweder alleine oder mit einem neuen Gspaenli fahren. Ich bin dann, um die Geschichte wieder aufzunehmen, in die Cederbergen etwa 3 Autostunden im Norden gefahren um ein bisschen zu wandern. Am ersten Tag habe ich mir das Maltese Cross und den hoechsten Gipfel in den Cederbergen den Sneeuberg vorgenommen. Ohne eine Menschenseele getroffen zu haben, bin ich auf dem Weg durch die Geroellhalden zum von der Erosion geformten etwa 15m hohen Steinkreuz hochgestiegen. Weiter ging es durch einen Sumpf und steinige Bergflanken zum Gipfel des Sneeubergs auf 2027 M.u.M. Ich konnte musste etwa hundert Meter vor dem Gipfel umdrehen, da die Zeit bis zur Schliessung des Parks ansonsten zu knapp geworden waere. Auf die Minute genau stand ich um 18 Uhr vor der Parkverwaltung. Da ich alleine unterwegs war, bestanden Sie auf diese Massnahme der Sicherheit. Leider durfte ich deswegen auch nicht alleine im Nationalpark uebernachten. Somit musste ich das Programm fuer zwei Tagen in nur einem durchkriegen und bin am naechsten Morgen frueh aufgestanden und nach einer Staerkung zu den Wolfberg Cracks aufgestiegen.

Maltese Cross

Maltese Cross

Die riesigen Spalten in der Felsformation leuchten Rot in der Sonne und sie verjuengen sich so sehr, dass man schlussendlich nur noch einige Zentimeter Platz hat. Von da aus lief ich zu der etwa 3h Fussmarsch entfernten Wolfberg Arch. Dieser Steinbogen streckt sich etwa ueber 30m und ist gute 10m hoch. Schon von Weitem sieht man die imposante Bruecke aus der kahlen Gegend ragen. Die Cederberge sind das einzige Anbaugebiet des weltbekannten Rooibos-Strauchs, bestehen sonst aber haupstaechlich aus Steppenlandschaft und Fynbosgewaechsen. Erst von der Arch habe ich den richtigen Weg dann gefunden; ich bin ueber Stock und Stein, mit Kletterinlagen gepaart, durch die Wildnis gewandert, stets auf der Acht vor der gefaehrlichen Puffotter. Mit meinem Glueck was das Sichten von Wildtieren betrifft, habe ich natuerlich keine gesehen. Auf der anderen Seite mag das wahrscheinlich auch gut sein, koennen die Puffottern ueber einen Meter in alle moeglichen Richtungen springen und sich mit bis zu 7 m/s fortbewegen. Ein Biss muss umgehend behandelt werden und selbst dann muss in den meisten Faellen das betroffene Koerperteil amputiert werden. Ich habe jedoch viele Geckos, Springboecke, Adler und wie schon erwaehnt Baboons entdeckt. Nach einer 9-stuendigen Wanderung bin ich dann wieder zum Auto gekommen und habe mich auf den Heimweg gemacht. Die Strecke fuehrt erst 80km ueber unbefestigte Strassen und zwei Paesse und wurde durch den Staub in der Luft und die tiefstehende Sonne zu einem wuerdigen Abschluss dieser Kurzreise.

Wolfberg Arch

Wolfberg Arch

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DSC00450 Wolfberg Cracks

Nach einigen weiteren Tagen des Surfens wurde unsere Gruppe stets kleiner weil viele Leute wieder abgereist sind. Johannes und ich sind mit den zwei Maedels Anna und Hanna dann spontan nach Gaansbai gefahren und Hansi und ich haben uns zu einem Tauchgang im Kaefig entschlossen um den Grossen Weissen zu beobachten. Das Boot fuhr uns zu einem Platz etwa 5km vor der Kueste und hat da den Anker geworfen. Waehrend wir uns in die Neoprenanzuege gezwaengt haben hat einer Fischkoepfe zu Brei gestampft und mit Meerwasser gemischt. Diese oelige Substanz lockt die Haie an und als visuellen Koeder wurde ein Thunfischkopf an einem Tau befestigt. Das Fuettern der Haie ist streng verboten. Das sogenannte Chumming, also das Anlocken der Fische, ist in Wirklichkeit gar nicht so schaedlich wie behauptet. Die Haie leben nicht fest an diesem Ort, sondern sind staendig auf Achse. Somit werden sie nicht an das Anlocken gewoehnt und durch die ausbleibende Belohnung ziehen sie nach einigen Kreisen wieder weiter. Wenn Taucher im Kaefig sind, wird der Fischkopfkoeder ausgeworfen und kurz vor dem Biss richtung Korb gezogen. Durch diese Taktik kommt ein 3-4m langer Grosser Weisser Hai mit offenem Mund auf die Taucher zugeschwommen und wendet sich dann erst im letzten Moment ab. Die Action passiert also direkt vor den Augen der Zuschauer und hinterlaesst einen respekteinfloessenden Eindruck.

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Mit Anna und Hannah bin ich dann noch weiter auf der Garden Route ueber Mosselbai nach Plettenberg Bay gefahren, wo wir in einem Hostel mitten im Wald uebernachtet haben. Anna ist dann gleich dortgeblieben und ist momentan als Freiwillige am mithelfen. Hannah und ich sind am naechsten Morgen weiter nach Jeffreys Bay gefahren wo eine der weltbesten Wellen reinrollt. Leider war das Wasser an diesem Tag flach. Wir haben etwas eingekauft und gegessen und sind dann die 800km zurueck nach Kapstadt gefahren.

Cape d'Agulhas - Suedlichster Punkt des Festlands von Afrika

Cape d’Agulhas – Suedlichster Punkt des Festlands von Afrika

Ich bin in diesem Beitrag bisher bewusst nicht auf politische Themen eingegangen. Tatsache ist, dass Kapstadt groesstenteils sehr sicher ist. Ich hatte bis auf einige Zwischenfaelle nur positive Begegnungen mit der einheimischen Bevoelkerung, sei sie schwarz oder weiss. Sicher ist, die Schere zwischen Armut und Reichtum ist tagtaeglich sichtbar. Die Haeuser sind mit Elektrozaeunen gesichert, ueberall stehen bewaffnete Sicherheitsleute. Es ist keine Seltenheit, dass der neuste Sportwagen neben dem Obdachlosen mit seinem Einkaufswagen an der Ampel steht. Die Kriminalitaet ist auf jeden Fall auch sehr ausgepraegt aber ich muss zugeben, dass man davon bis auf die Einbrueche nicht sehr viel mitbekommt. Die Stimmen gehen auf beide Seiten, von ‘wir muessen gemeinsam stark werden’ zu ‘die Schwarzen nehmen den Weissen die Jobs weg und muessen weg’. Mehrheitlich sind die Kapstaedter jedoch sehr liberal eingestellt und stehen voll und ganz hinter dem Credo “ihres” Mandelas.

Mir hat diese vitale und dynamische Stadt jedenfalls bestens gefallen und ich hoffe, zu einem spaeteren Zeitpunkt wieder zu kommen. Ich bin momentan noch in der Reiseplanung fuer Namibia und arbeite zudem im Hostel mit um die Reisekasse etwas zu schonen. Ich werde mich nach unserer Safari durch Namibia wieder melden und euch mit den aktuellen Geschehnissen versorgen.

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Auf Wind warten…

 

Govi – Off the beaten track

Als wir in UB ins Reisebüro der AeroMongolia liefen, mit dem Plan, einen Flug ins Altai Gebirge im Westen des Landes zu buchen, wussten wir noch nicht, dass ich diesen Blogeintrag vor dem Flughafen in Dalanzadgad unter einem improvisierten Sonnendach schreiben würde. Aufgrund des nationalen Volksfests Nadaam, welches jährlich vom 11. – 13.07 im ganzen Land, aber hauptsächlich um die Hauptstadt herum, stattfindet, waren sämtliche Flüge ausgebucht. Wir haben uns dann kurzum entschlossen, in das Städchen Dalanzadgad etwa 500km südlich von UB zu fliegen, welches als Ausgangspunkt für die meisten Touren in die Gobi Wüste dient.

Mit uns kam ein Pärchen, Samia und Laurent aus Lausanne, welche im Hostel von unseren Plänen erfahren und gleich darauf den selben Flug gebucht haben.

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Fokker 50

In DLZ angekommen, hatten wir erstmals keine Ahnung wie es weitergehen sollte. Auf dem verschlafenen Flughafen wo maximal ein Flieger am Tag landet (es ist der zweitgrösste Flughafen der Mongolei!), warten keine Taxis auf gestrandete Individualtouristen. Nach ein bisschen Rumfragen haben wir dann einen Mitarbeiter von AeroMongolia organisiert, welcher uns zu diversen Hotels gefahren hatte. Die meisten waren aber entweder zu teuer, “ausgebucht” oder existierten schlicht nicht mehr. Unser Taxifahrer kam nach etwa 5 Hotels auf die Idee, dass wir in seinem sich im Bau befindenden Zweithaus übernachten könnten. Diese Einladung nahmen wir dann auch dankend an und haben uns in dem spärlich eingerichteten Haus in einem Ger District der Stadt einquartiert. Über 7 Ecken und mit Hilfe unserer Mongolischlehrerin aus UB, welche als Übersetzerin diente, konnte uns der Taxifahrer auch gleich einen brandneuen Jeep Grand Cherokee mit Fahrer organisieren. Nach dem Zusammentreffen und organisieren der Route noch am selben Tag, ging für uns die Reise in die Gobi (Halb-)Wüste los.

Trotz Sprachbarriere konnten wir uns schlussendlich einigen

Trotz Sprachbarriere konnten wir uns schlussendlich einigen

Wir fuhren am ersten Tag nach Yolin Am. In einer Schlucht findet sich auch noch im Hochsommer eine meterdicke Eisschicht, welche erst gegen Anfang des Herbstes vollständig schmilzt. Die Eisdicke kann nach dem Winter gut 10 Meter betragen und der kleine Bach frisst sich seinen Weg unterirdisch durch. An einigen Stellen war das Eis bei unserem Besuch noch gute 3 Meter dick und wir konnten sogar in die wunderschön geformten Tunnels reinkriechen.

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Yolin Am

Danach gings weiter durch die enge Schlucht Dugany Am. Der Jeep wäre zum Teil nur wegen wenigen Zentimetern an den schroffen Felsen angekommen, doch unser Fahrer Haitu hat uns souverän durchgebracht. Am hinteren Ausgang der Schlucht fuhr er einen Hügel hoch und wir bezogen unser erstes Nachtlager. Gemäss dem Reiseführer sollten wir da auch die Ruinen eines Klosters vorfinden, doch bis auf eine kleine Stupa sahen wir nichts. Bei einem Spaziergang nach dem von unserer Spitzenköchin Katharina mongolisch zubereiteten Abendessen auf einen der zahlreichen uns umgebenden Hügel sahen wir dann das ganze Kloster, oder besser die Grundrisse davon. Denn die Mauern waren, wie so viele, während der Sovjetzeit niedergerissen worden. Auf jeden Fall war da früher eine kleine Stadt, der Grösse nach zu urteilen.

Bis auf die Grundmauern abgerissen

Bis auf die Grundmauern abgerissen

Schlafplatz bei Dugany Am

Schlafplatz bei Dugany Am

Am nächsten Morgen ging unsere Reise durch karge und steinige Steppenlandschaft weiter. Hie und da war ein Ger, eine Gruppe Kamele oder eine Schafherde zu beobachten und wenn man genau hinschaute, konnte man auch einige Adler oder Falken oder Geier (bin leider kein Vogelexperte, aber all diese Tiere sind heimisch hier) getarnt zwischen den Steinen ausfindig machen.

Nach gut 5 Stunden Fahrt und einem Radwechsel unter der sengenden Mittagssonne kamen wir zu unserem nächsten Ziel, Khongorin Els. Die Sanddünen ziehen sich von West nach Ost über 130Km mit einer Breite von bis zu 12Km und ragen bis zu 300m über den Wüstenboden.

Radwechsel

Radwechsel

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Khongorin Els

Wir haben direkt am Fuss der höchsten Düne bei einem kleinen See Platz bezogen und die Zelte aufgestellt. Gegen den Abend sind wir dann etwa 40 Minuten hochgekraxelt, teils unter Mühe, teils mit der Leichtfüssigkeit einer Gazelle. Der Ausblick, den ich vor dem letzten Meter schon über die Kuppe hatte, war so atemberaubend, dass ich fast wieder rücklings runterfiel. Auf dem höchsten Punkt der Dünenkette blickten wir auf die silbrig schimmernden, sichelförmigen Berge und Täler unter uns. Ich hatte trotz meiner Zeit in der Wüste Ägyptens noch nie so etwas gesehen. Weisse Sanddünen in der Mongolei, schöner als in der Sahara oder der Namib Wüste, wer hätte das gedacht?!?
Wir genossen diese Sicht eine Ewigkeit auf dem schmalen Grat bevor wir den steilen Hang in wenigen Minuten heruntersprangen. Nach dieser sandigen Angelegenheit brauchte ich ein Bad in dem “wenig anmächeligen” Wasser des kleinen Tümpels.

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Abends haben wir ein wenig Holz von den Bonsai-artigen Sauxalbäumen zusammengetragen und ein kleines Feuer gemacht. Das Holz hat fast so einen hohen Brennwert wie Kohle und ein kleiner Ast brennt für Stunden. Katharina und ich haben diesen Umstand ausgenutzt und ohne Zelt unter dem sternenklaren Nachthimmel und neben dem die ganze Nacht hindurch  flackernden Feuer geschlafen.

Am Feuer schlafen

Am Feuer schlafen

Spätmorgens ging die Fahrt weiter. Wir fuhren durch eine unwirklich scheinende, aus blauen, roten, türkisen und grünen Hügeln bestehende Landschaft gegen Nordwesten. In dieser Gegend der Mongolei findet sich ein riesiges Vorkommen an Bodenschätzen und die sich momentan im Aufbau befindende Mine Oyu Tolgoi (Türkiser Hügel) wird nach der Fertigstellung 2018 die grösste Kupfermine der Welt sein. Es wird eine künstliche Stadt für die Minenarbeiter geschaffen, welche einst das Zuhause von rund 30’000 Arbeitern sein wird.
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Doch ob uns der nur mongolisch sprechende Haitu diese wunderschöne Landschaft einfach nur zeigen wollte, oder sich tatsächlich verfahren hatte, wissen wir nicht. Auf jeden Fall ging es auf gleichem Weg wieder etwa 1.5h zurück. Noch am frühen Nachmittag begann es auf einen Schlag zu dämmern und ein Blick durch die Heckscheibe verriet uns auch den Grund dafür: Wir wurden von einem massiven Sandsturm gejagt! Bald hatte er uns auch eingeholt und wir wurden von einem schummrigen braunen Licht bis in die Stadt Bulgan begleitet. Dort versuchten wir den kaputten Reifen wieder zu flicken, doch irgendwie fanden wir uns dann plötzlich mit aufgestelltem Zelt im Garten des Mechanikers wieder und verbrachten dort eine regnerische Nacht.

Nachdem der Reifen am späten Morgen repariert war, fuhren wir weiter gegen Westen. Ich dachte schon, dass unser nächstes Ziel im Nordosten liegen muss, und tatsächlich fanden wir uns nach weiteren zwei Stunden Fahrt wieder in Bulgan vor. Doch dieses Mal war es wahrscheinlich gewollt, denn am Wendepunkt ragte inmitten des Nichts eine einzige kleine Sanddüne empor.

Frisches Quellwasser und endlich mal wieder abspülen

Frisches Quellwasser und endlich mal wieder abspülen

Die Fahrt ging nach einem Mittagsstopp an der lokalen Quelle weiter nach Bayanzag wo die Flaming Cliffs auf uns warteten. Die von Wind und Wasser geformten Klippen erhielten ihren Namen durch den braunroten Sandstein, der abends von der Sonne in ein feuriges Rot getaucht wird. Wir verbrachten einige Zeit mit Klettern und Fotos schiessen, bevor wir unser Lager nur unweit der Klippen neben einem Ger aufgestellt haben. Die Wolken machten uns fast einen Strich durch die Rechnung, doch gerade zum Sonnenuntergang gab es eine Lücke im Himmel und wir konnten das Spektakel fasziniert verfolgen.

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Flaming Cliffs

Flaming Cliffs

Eigentlich wollte der Fahrer nach den 5 Tagen via den kleineren Sanddünen Molzog Els zurück nach DLZ, doch wir haben noch einen Tag verlängert und nach dem Besuch der Dünen und einer Pferdemilchfarm sind wir zu Haitus Verwandten gefahren und haben dort noch einmal genächtigt.

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Heute sind wir dann zurück in die Stadt gefahren und wurden nach einem kleinen Missverständnis des weiteren Vorgehens wegen gleich neben dem Flughafen abgeladen. Wir haben gerade unser Zelt als Sonnenschutz über den Köpfen gespannt und die instabile Konstruktion hält dem stetigen Wind erstaunlich gut Stand. Wir warten hier auf den Flieger, der uns morgen früh zurück nach UB bringt. Danach werden wir nochmals aufs Land zu Saraa fahren, um mit den Mongolen einen weiteren Mini-Nadaam zu feiern. Und am 12.07. um 09.40 Uhr geht unser Flieger via Moskau zurück nach Zürich wo unsere 8 wöchige Reise endet.

Karte

Route unserer Gobi Rundfahrt

Fotos gibts hier:

https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

Hier noch einige wichtige Ereignisse, Erfahrungen, Momente oder was sonst keinen Platz gefunden hat im Blog:

– Natel verloren in Moskau schon am 3. Tag
– Sind in einem der meistfotografierten Brunnen nach einer Partynacht in der Morgendämmerung auf die Pferde geklettert.
– Konnten nirgends Postkarten kaufen
– Gefrorenes Bier im Speisewagen der Transsib von Moskau nach Irkutsk
– Haus in Rauch gehüllt beim ersten Versuch einzufeuern
– Schottischer Whiskey getrunken und Pfeife geraucht am Baikalsee
– Haben Nikita von Nikitas Homestay als einzige dank der ZDF Reportage erkannt
– Die Servierdüse aus dem Fahrenheit (Bar in Winterthur) war auf der Orchon Insel im gleichen Hotel
– Auch Katharina hat den Schamanenfelsen fotografiert, aber gleich wieder gelöscht
– Immer das falsche Objektiv dabei
– Kühe grasen am Sandstrand
– Konnten endlich Postkarten kaufen und haben “öppe 7 Millione gschribe”
– Haben in Irkutsk etwa 40 Minuten lang einen Supermarkt gesucht und sind dann einfach ins Irish Pub zum Abendessen
– Bekamen “mongolischen Vodka” von zwei Spaniern offeriert, ca 80% Vol. Und definitiv nicht aus der Mongolei
– Schweizer Flagge als Vorhang im Hostel
– Dank der Fotofunktion von Google Translater konnten wir in Ulan Ude das Menu im Restaurant übersetzen
– Svetlana!
– LED-Ampeln in Ulan Ude
– Getrocknete Fischli gekauft und noch nicht gegessen
– Im Zug wurden wir vom Holländer über die besten Arten der Energiegewinnung belehrt
– Konnten das Fenster öffnen!
– Haben das Postoffice an der Grenze zur Mongolei gesucht und gefunden
– Der Drogenhund war ein “Bodesurri”
– Haben auf der mongolischen Seite schon wieder 40 Minuten lang einen Supermarkt gesucht
– Eine Flasche Chinggis Vodka: 6.- CHF!
– Wurden von Dom in UB abgeholt und die Aussicht aus dem 11. Stock über die Stadt war WOW!!
– Schiffchen als Lampe
– Die Düsen des Brunnens wurden auf die Strasse gerichtet, wohl zur Reinigung!
– Mauszeiger auf einem riesigen Werbebildschirm
– Die Tür einer Jurte zeigt immer nach Süden
– Tausende Tauben im Kloster der Stadt – Katharina als Vogelhasserin hats nicht so gut gefallen wie mir
– Kaum auf dem Pferd am ersten Tag sind meines und Katharinas als Einzige zuerst mal durchgebrannt
– Farmer Stängel haben uns das Leben gerettet
– Hatten Lachs aus Kanada zum Abendessen
– Gemäss Gale sind alle die, die recyclen, Sklaven der multinationalen Konzerne
– Die für Haiti gebaute Solarlampe war super, aber der aufblasbare Beutel nach 5 Tagen kaputt > Ducttape!
– Open-Sky Plumpsklo
– Steiefel mit Brecheisen repariert
– Neues Pferd gekauft, das gleich mal an 39 (Arschlochpferd) angebunden 500km laufen musste
– Die Mongolen waren schockiert, dass Katharina – als Frau – eine Zigarette geraucht hat und Vodka und Bier getrunken hat
– Ich wurde dafür fast täglich zu Vodka eingeladen
– Haben Pancakes gekocht. Einer der Guides hat sie raus gespuckt und sich dann den Mund ausgewaschen
– Härä Adlischu
– Die Strommasten sind alle auf einem Betonsockel, die Baumstämme sind einfach nicht hoch genug!
– Die Bäume wachsen nur auf der Nordseite der Hügel
– Habe ein ausgebüchstes Pferd eingefangen
– Katharina gleich danach auch, aber sogar vom Pferd aus. Die Mongolen standen mit offenen Mündern da
– Waren die einzigen Ausländer auf einem Mini-Nadaam und sind beim Pferderennen mitgeritten
– Wurden vom Bauer weggejagt, NACHDEM wir das Zelt aufgestellt hatten Grrrrrr
– Katharina hat Rhabarber Kompott aus frisch gesammelten Stängeln auf dem Feuer zubereitet
– Wilden Schnittlauch und Zwiebeln gefunden und verkocht
– Bin mittlerweile nach vielen auch immernoch schmerzvollen Versuchen Meister im Haare zöpfeln (Buurezopf)
– Hatten selbstgemachten Yoghurt
– Flugbillet nicht online gekauft
– “who milked the cattle when they were not domesticated yet? And why didnt they explode?”
– Habe einem Pferdeschädel einen Zahn ausgerissen
– Wasserloch mit 600 Ziegen geteilt
– Stutenmilch direkt ab “Zapfhahn” getrunken
– Ride through statt drive through
– Können fliessend Russisch und Mongolisch lesen, ohne dass wir immer überlegen müssen, welcher Buchstabe wie ausgesprochen wird
– ‘Die Dichte an schönen Händen ist aussergewöhnlich hoch’ (O-Ton Katharina)
– Haben nach 6 Wochen im Zelt, in der letzten Nacht erstmals gemerkt, dass das Zelt von innen wie ein Drachenkopf aussieht (da war kein Vodka im Spiel)
– Haben 3 ‘Dry Days’ miterlebt (Kein Verkauf von Alkohol nirgendswo, weder in der Bar noch im Supermarkt)
– Wollte eine Kassiererin schmieren, mir doch was zu verkaufen, doch sie hat auf die Kamera gezeigt und Nein gesagt
– Katharina zu Boika, dem Hund von Saraas Camp, als er ihre Schuhe schnüffelt: “Dasch wie Ziitig läse, gäll?! News from UB!”
– Sind im ‘Holy-Shit’ Gallop durch einen Hagelsturm geritten
– Haben Edelweiss in der Mongolei gefunden!!!! Und zwar jede Menge!!
– Katharina ist am letzten Tag der Reise auch noch vom Pferd gefallen, ein spektakulärer Sturz. Und sie hatte danach die Edelweisse noch immer unbeschädigt in der Hand
– Katharina hat ein ‘Dinosaurier Ei’ gefunden, das gerade am schlüpfen war, als ZACK! Eiszeit. Shock freeze!
– Mein Pferd Chocolat habe ich am letzten Tag doch noch in den Renngalopp gebracht. Adrenaline rush!
– Bin am letzten Tag zwei Mal über Hindernisse gesprungen – ungewollt! (K.’s Pferd hat gebockt, deswegen ist sie ohne Pferd übers Hindernis)
– Haben Tim Cope, unsere Inspiration für die Reise (Google on the Trails of Ghengis Khaan), im Fahrstuhl in UB getroffen.
– Hatten gefühlte 50kg Übergepäck aber dank geschicktem Platzieren hat die Waage nur 16kg angezeigt 🙂

Up’s and Down’s

Nach unserem ersten Trek über insgesamt 11 Tage haben wir uns 3 Tage Entspannung in der Hauptstadt gegönnt. Die freien Tage waren jedoch auch schon gleich wieder mit der Organisation der nächsten Reise ausgefüllt.

Mit nur dem Nötigsten ausgerüstet fuhren wir wieder die 60km in den Osten, vorbei an der Chingis Khan Statue auf dem mittlerweile vertrauten Weg zu Saraa’s Camp. Statt wie beim letzten Mal erst raus zu fahren und dann zurück zu reiten, war jetzt eine Rundreise über 9 Tage mit Saraa’s Camp als Ausgang und Ziel geplant.
Begleitet wurden wir von Saichnaa, Saraas 14 jährigem Sohn und Ogi, einem 23 jährigen “Nachbar” der Familie. Zusätzlich kamen die Hofhunde Well-Mart und Boika mit uns mit und beschützten uns gegen Wölfe und Bären aber hauptsächlich gegen nächtliche Pferdediebe und andere Hirtenhunde. Die beiden Jungs haben sich die ganze Reise um die Pferde gekümmert und als Guides die Route vorgegeben.

Die Strecke führte über bewaldete Berge, Blumenwiesen und sumpfige Täler durch den Terelj Nationalpark. Gekocht wurde über dem Feuer und es gab hauptsächlich Schafsuppe oder Reis mit Schaffleisch und Gemüse. Ab und zu haben wir die Gelegenheit ergriffen und unsere mitgebrachten Spaghetti mit Thunfisch gekocht. Kulinarisch gesehen gab es also wenig Abwechslung, doch wir haben uns irgendwie durchgeschlagen.

Ogi, der ältere der beiden Guides, hat eine sehr spezielle Art, welche uns oft viele Nerven gekostet hat. Er sprach nur mongolisch und hat uns wie hilflose Touristen behandelt. Wenn wir zum Beispiel die Satteltaschen des Packpferds gepackt haben, hat er alles wieder ausgeräumt, nur um die Taschen danach exakt auf die gleiche Weise wieder neu zu packen. Man sagt, salopp ausgedrückt, dass unter 7 Menschen ein Arschloch sei. Glücklicherweise war unser erster Trip der Gobi Gallop eine Ausnahme, aber nun hat es uns anscheinend doch getroffen. Nicht nur die Strecke war also ein hoch und runter, sondern zwischenzeitlich auch unsere Stimmungslage.

Aber genug des Negativen, wir hatten natürlich auch aussergewöhnlich schöne Momente, welche die negativen um ein Vielfaches überblendeten. Es sind diese kleinen, im ersten Augenblick unbedeutend erscheinenden Situationen, welche diese Reise so besonders machten. Wie zum Beispiel, als wir nach Tagen der Einsamkeit auf ein holländisches Paar getroffen sind, welches den Nationalpark auf dem Fahrrad erkundet hat. Wir haben uns oft gefragt, wie es möglich ist, durch die sumpfigen überfluteten Strassen zu fahren. Nicht selten haben wir Fahrradspuren im Matsch gesehen. Doch dieses Paar hat bewiesen, dass es mit einigen Mühen und Strapazen doch möglich ist.

Wir sind durchschnittlich etwa 4-5 Stunden täglich geritten und haben uns über Gott und die Welt unterhalten, gesungen, dem wunderschönen Gesang von Ogi gelauscht oder einfach nur die Stille, die Einsamkeit und die Landschaft genossen. Auch wenn sich der WOW-Effekt mit der Zeit ziemlich abgeschwächt hat, sind es die weissen Zuckerwattewolken vor dem klaren blauen Himmel über den satten grünen Hügel, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde.

Wir haben so viel erlebt und doch ist es nichts Besonderes, wenn man es nicht selbst gemacht hat. Wir haben Kuhmist verbrannt um die nervigen Bremsen von uns abzuhalten. Beim Versuch das Zelt mit oben genannter Methode von den tausenden Fliegen und Mücken zu befreien, habe ich ein riesen Loch in den Zeltboden gebrannt. Wir sind über endlose blumenübersäte Wiesen galoppiert, durch schier undurchdringbare Büsche geritten und haben Flüsse durchquert, bei welchen das Wasser bis zum Sattel hoch reichte. Wir haben nachts gefroren, tagsüber geschwitzt und meine Schuhe waren konstant nass. Wir wurden beim persönlichen Geschäft von den fiesen Mücken in den Allerwertesten gestochen, haben den täglichen Niederschlag verflucht und trotzdem das Prasseln des Regens auf dem Zeltdach genossen. Wir haben uns über Ogi aufgeregt und gleichzeitig mit Saichnaa gewitzelt, welcher gemäss Katharina eines Tages ‘en riese Schuss’ werden wird.

Am drittletzten Tag wurden wir zu einem Freund von Saichnaas Familie geführt und haben dort zwei Tage verbracht. Es war eine ziemlich eigenartige Zeit, da die Familie eher “mudrig” (Anm. Berndeutsch) war und uns ausser während den gemeinsamen Essen keinerlei Beachtung schenkte. Zudem wurden wir oft zurechtgewiesen, wie man sich zu verhalten habe und nach einem Gespräch mit Saichnaa sind wir danach weitergezogen.

Ein Höhepunkt war definitiv das Mini-Naadam Fest, welchem wir beiwohnen konnten. Naadam ist das Nationalfest der Mongolen und findet vom 11. bis zum 13. Juli jeden Jahres statt. An diesem nationalen Sportevent messen sich die Leute in drei Disziplinen: Pferderennen, Wrestling und Bogenschiessen.
Wir haben die Jungs auf ein kleines Naadam Fest mit Pferderennen und Wrestling auf dem Land begleitet. Normalerweise werden die Pferde beim Rennen von Kindern im Alter von zwischen 4 und 13 Jahren geritten und bei diesem Fest gab es zwei Rennen. Das erste war mit Pferden im Alter von 5 Jahren und das zweite mit zweijährigen Fohlen. Es war ein ursprünglicher Anlass, wir zwei waren die einzigen Touristen und wurden von allen Seiten mit freundlichen Blicken begrüsst.
Als das Rennen über ca. 5km an uns vorbei zog, sind wir auf unsere Pferde gestiegen und in das Chaos aus Rennteilnehmern, Begleitfahrzeugen, Motorräder, Stallburschen und Pferdebesitzern eingetaucht und haben die Kinder ins Ziel begleitet. Die Szene hat die mongolische Kultur perfekt widerspiegelt, von Aussen war es ein Durcheinander sondergleichen, aber war man einmal mittendrin, haben sich gewisse Regeln und Strukturen abgezeichnet. Es war purer Wahnsinn!!
Zwischen den zwei Rennen fand das Wrestling statt. Meistens haben sich drei Paare der muskulösen Männer in den knappen Höschen und den brustfreien Oberteilen gleichzeitig einen Kampf geliefert. Der Ring bestand nur aus den sitzenden Zuschauern und unseren ‘Logeplätzen’ auf dem Rücken der Pferde.
Am Ende des Tages ritten wir wieder zurück zu unserer vermeintlichen Unterkunft, einem brachliegenden Winterstall. Doch nachdem wir die Pferde abgeladen und unser Zelt aufgestellt haben, stand plötzlich der Besitzer der Anlage vor uns und hat uns weggewiesen. Wir sind zweihundert Meter weiter geritten und haben dort unser Nachtlager auf einer Wiese aufgeschlagen und den Tag mit dem allnächtlichen Feuer ausklingen lassen.

Am letzten Tag, geplant waren nur 15km, wurden wir noch vor einige Probleme gestellt. Beim Satteln der Pferde ist der Gurt des Packsattels gerissen, doch wir konnten es wieder hinbiegen. Hinter einer Hügelkette sind Katharina, Ogi und ich über weite Strecken galoppiert und haben danach auf Saichnaa und das Packpferd gewartet. Nach langer Zeit kam uns Saichnaa ohne Sattel auf dem Packpferd entgegen; es hat sich rausgestellt, dass sein Pferd lieber schon einmal ohne seinen Reiter nach Hause wollte. Den gebrochenen Sattelgurt konnten wir nach einiger Zeit mit Schweizer Klettertechnologie retten und Saichnaa ist hinter mir auf dem Rücken meines Pferdes die zwei Stunden zurück geritten. Unterwegs holte uns noch ein Hagelsturm ein und somit können wir behaupten, jedes Wetter bis auf Schneefall erlebt zu haben.

Zurück bei Saraa gab es das freudige Wiedersehen zwischen den Eltern und ihrem Sohn und für uns ein verdientes Bad im eiskalten Tuul-River nach 9 Tagen ohne Waschen.

Alles in Allem hatten wir zu Beginn eine komplett andere Vorstellung von dem, was uns erwarten würde. Doch unserem Sprichwort gemäss “Go with the flow” konnten wir uns schlussendlich immer irgendwie arrangieren und haben die Zeit genossen. Der zweite Trip war definitiv ein komplett anderes Erlebnis als der Gobi Gallop, nicht nur der Landschaft wegen. Doch allen Schwierigkeiten und Downs zum Trotz haben wir die Zeit sehr genossen und dürfen wohl mit Stolz behaupten in drei Wochen täglichen Reitens mehr als 1000km zurückgelegt zu haben.

Wir hatten nun zwei Tage in Ulaan Baatar und fliegen morgen nach Dalanzadgad im Süden um die Gobi Region zu erkunden. Dieses Mal jedoch ohne Pferde 🙂 Fotos gibts hier:

https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

http://www.fb.com/sheshe87

Gobi Gallop 2 – Back from Archangai

“I’ve been through the desert on a horse with no name
It felt good to be out of the rain
In the desert you can remember your name
Cause there ain’t no one for to give you no pain”

America – A horse with no name

Ich habe lange gezögert, diesen Eintrag zu schreiben. Es ist so viel und doch nichts passiert in den vergangenen Tagen. Trotzdem werde ich versuchen, euch unsere Erfahrungen und Momente auf dem 11 tägigen Trek so gut wie möglich zu überbringen.

Der Gobi Gallop Ride

Letztes Jahr von Julie Veloo ins Leben gerufen, basiert der Event nur darauf, auf dem Pferderücken 700km in 10 Tagen zu bewältigen. Die Route wird einigermassen vorgegeben, kann sich aber durchaus spontan ändern, wenn zum Beispiel der hohe Wasserspiegel der Flüsse das Queren unmöglich macht.
Zusätzlich kommt noch der Wohltätigkeits-Aspekt dazu. Die Hälfte der Startgebühr geht an ein Projekt, welches den ärmsten der armen Kinder aus dem Ger District einen Platz in einem Kindergarten, zwei Mahlzeiten täglich und Schulbildung ermöglicht. Doch dazu mehr in einem späteren Abschnitt.

Die Gruppe

Julie Veloo, der Kopf hinter der ganzen Sache, kommt aus Kanada, lebt mittlerweile seit 4 Jahren in UB und hat sich gänzlich dem Reiten und der Hilfe der sozial benachteiligten Kinder verschrieben.
Chad, der Althippie, kommt ebenfalls aus Kanada, ist 69 Jahre alt und somit unser Ältester. Ich bin oft mit ihm geritten und wir haben über Wirtschaft, Politik, Reisen, Kornkreise (er hat viele Jahre der Untersuchung des Paranormalen gewidmet) und vieles mehr diskutiert.
Gale, wie der Sturm, kommt aus dem tiefsten Kanada, wurde auf der Reise 65, ist total technikabgeneigt, hat das erste Mal mit uns Nutella und Oreos gegessen und hinterfragte ALLES. Sie war das Kind, welches zum ersten Mal die weite Welt entdeckt. Sie war die Einzige, welche mehr Kilometer im Auto als auf dem Pferd zurückgelegt hatte.
Ann, eine Australierin, die in England und für einige Wochen im Jahr in UB lebt, hatte sämtliche Tübchen und Cremes aus ihrem Badezimmer dabei. Trotzdem hat sie die ganze Strecke durchgehalten und verdiente sich damit unser aller Respekt.
Kai, aus Singapur war mit ihren 25 Jahren auch im Club der Jungen vertreten, musste leider als Einzige schon früher abreisen, da sie ihrer Arbeit als Neurologin nachkommen musste. Sie war die erfahrenste Reiterin aus der Gruppe und hat die langen Joggingphasen mit klassischer Musik überbrückt.
Soyolbold, der einzige Mongole in der Touristengruppe, hatte bereits den ersten Gobi Gallop Ride absolviert und bestand darauf, die gesamte Strecke auf dem überaus unbequemen mongolischen Sattel zu bewältigen. Er war der Blickfang mit seinem langen Zopf und der traditionellen Kleidung und hat uns viel über das Land und die Leute beigebracht.

Baagi, der Vater der Pferde und unser mongolischer Führer und Organisator, hat die Gruppe sicher durch das weite Nichts geführt und sogar unterwegs noch einen jungen Hengst gekauft. Er hat das Tempo und die Route vorgegeben, hat sich täglich um die Pferde gekümmert und ist selbst nach einem 11 stündigen Ritt noch die ganze Nacht aufgeblieben, um die Mannschaft zu entlasten und die Pferde zu bewachen, nur um am nächsten Tag wieder 9 Stunden auf dem Pferd zu sitzen.
Seine Frau Saraa hat uns mit dem Truck begleitet und war für die Organisation rund ums Camp verantwortlich. Sie ist die fleissige Biene, die ohne zu zögern jede Arbeit verrichtet. Mit ihr zusammen war ihr Sohn, Saichnaa, welcher uns auch auf den nächsten Trip begleiten wird, Nomin, die mit dem Koch für unser leibliches Wohl verantwortlich war und noch ein Saichnaa, der als helfende Hand im Hintergrund gewerkelt hat.

Zu guter Letzt war da noch Bayara, der Fahrer des Jeeps, ein Kind im Körper eines Erwachsenen und ein überaus liebevoller Mensch. Er hat uns stets in einigem Abstand begleitet, die bisher bewältigte Kilometeranzahl durchgegeben und ermüdete Reiter eingesammelt.

Die Gruppe war bunt durchmischt, doch wir konnten uns alle miteinander arrangieren und hatten tolle Gespräche und viele lustige Momente zusammen.

Der Ritt

Mit dem Auto wurden wir von UB in das 460km entfernte Tsetserleg im Archangai gefahren. Ein bisschen hinter der Stadtgrenze haben wir unsere Zelte an dem Ufer eines Flusses aufgeschlagen und mit einem riesigen Lagerfeuer und Vodka den Start der Tour besiegelt. Am ersten Reittag, noch bevor wir die Pferde bestiegen hatten, sind wir zu einem Schamanenfelsen in der Nähe gefahren. Danach wurde mir das Pferd Ginger zugeteilt, Katharina hatte Grey Wolf. Die Pferde waren ziemlich aufgebracht nach der weiten Reise und wussten nicht was los ist und so ist Ginger gleich mit mir auf dem Rücken durchgebrannt und losgaloppiert. Irgendwann habe ich ihn aber unter Kontrolle bekommen und der restliche Weg war zwar ein Kampf, doch durchaus machbar. Wir endeten an den Hot Springs wo wir im Ger übernachtet haben und uns ein Bad in den heissen Quellen gönnten.
Am nächsten Morgen wurde mir Chocolate zugeteilt, welchen ich bis zum Schluss geritten bin und definitiv einfacher als Ginger zu kontrollieren war. Wir ritten für etwa 9 Stunden durch eine fantastische Landschaft und waren am Ende des Tages alle erschöpft. Das Camp war in einem Tal mit grossen Kuh- und Schafherden und beim Abendessen ist eine Gruppe halbwilder Pferde an uns vorbeigalloppiert.
Nach einem tiefen Schlaf sind wir zu dem buddhistischen Kloster auf den Berg geritten und haben es besichtigt. Die Route führte wieder den Berg runter und über saftig grüne Wiesen, durch karge Steppenlandschaft zu einem Fluss. Dies war meine erste richtige Flussüberquerung zu Pferd. Doch ich konnte die Landschaft nicht geniessen, meine Knie hatten mich aufgegeben und ich konnte weder stehen noch sitzen. Dies war der Zeitpunkt, als ich den Rest der Strecke im Auto zurücklegen wollte. Doch nach einigen Schmerzmittel und einer “Energieheilung” durch Gale habe ich mich dazu gezwungen, den Rest auch noch zu reiten. Ich wurde mit endlosen  Lavafeldern entlang des Flusses belohnt, welche ich mit steigender Sicherheit im Sattel durch galoppiert bin. Abends war dann kurz Zeit für eine Katzenwäsche im Fluss, nur wenige Meter weiter flussaufwärts bedeckten noch immer Eisschollen das Gewässer, was unsere Zeit im Wasser stark verkürzte.
Am nächsten Tag ritten wir dann zum Wasserfall. Der eben genannte Fluss stürzt sich aus etwa 20 Meter in einen Graben. Wir verbrachten einige Zeit da bevor wir uns auf die längste Etappe aufgemacht haben. Die Route führte nach Kharakhorum, der antiken Hauptstadt der Mongolei. Nach 11 Stunden im Sattel begann es zu regnen und wir waren alle froh, als wir die letzten der 100 geplanten Kilometer im Auto zurücklegen konnten. Wir kamen gegen 22.00 Uhr in Kharakhorum an und wurden in ein Haus einer lokalen Familie gelotst. Dort haben sie für uns ein Schaf geschlachtet und das ganze Fleisch auf einer riesen Platte präsentiert. Nach einem solchen Marathontag wollten wir aber alle nur noch ins Bett und so wurde die liebevoll gemeinte Geste von uns nicht wirklich geschätzt. Ausserdem bekamen wir eine riesige Schüssel mit Haut, Fett und gemäss unseren westlichen Geschmacksknospen widerlichem Fleisch, welche unsere Motivation nicht wirklich steigerte. Wir wurden dann darauf in ein Ger Camp gefahren und sind etwa um Mitternacht völlig erschöpft in die Betten gefallen.
Auf dem Programm für den nächsten Tag stand die Besichtigung des noch immer aktiven Klosters. Unseren Pferden wurde auch einen Tag Pause gegönnt und wir sattelten um auf eine Gruppe lokal bereitgestellte Pferde. Nach einem Tag mit vielen Stürzen, sehr viel Galopp und einigen spontanen Rennen waren die Pferde buchstäblich tot! Nach ca. 85km wollten die Pferde schlicht nicht mehr weiterlaufen. Sie konnten nicht mehr! Ich und Saichnaa, der Sohn von Baagi und Saraa, ritten vorweg um das Camp zu suchen, während der Rest der Gruppe mit dem Auto fuhr oder zu Fuss mit dem Pferd im Schlepptau weiterging. Wir zwei prügelten die Pferde sprichwörtlich durch, aber bei den Anderen ging einfach nichts mehr. Und auf diesen letzten Kilometern hatte es mich auch erwischt. Das Pferd ist mit dem Vorderbein in ein Loch gestanden, gestrauchelt und ich war nicht mehr fähig es hochzuziehen, so bin ich dann langsam aber bestimmt vom Sattel gerutscht. Zum Glück ist aber niemandem etwas Ernsthaftes passiert und der Platz am Ufer des Sees Ogi Nuur hat uns für die gesamten Strapazen und Schmerzen mehr als entschädigt. Das anschliessende Bad im kühlen Wasser mit einem einzigartigen Sonnenuntergang und einem kühlen Bier in der Hand tat den Rest und wir konnten das Leben wieder in vollen Zügen geniessen.
Am nächsten Morgen ging es weiter durch Mausland zum Tent Mountain (Maikhan Owool). Die kleinen Biester haben die gesamte Erde unterhöhlt, was zusammen mit dem lockeren Boden für viele Einbrüche der Pferde und weitere Stürze sorgte. Die Landschaft war überwältigend, weite Täler umgeben von sanften Hügeln. Wir ritten den ganzen Nachmittag durch die steppenartige Landschaft der Mini-Gobi und hinter jedem Hügel präsentierte sich die Umgebung von einer komplett anderen Seite. Einmal waren es steinige, sandige Böden, dann wieder saftiges Grün und Blumenfelder. Katharina fühlte sich gegen Schluss nicht mehr wohl und fuhr eine kurze Strecke im Auto zum Camp. Dies hatte den Vorteil, dass bei unserer Ankunft die Zelte schon am Ufer von zwei kleinen Ententeichen standen.

Auch am siebten Tag sind wir über 8 Stunden und 85km weit geritten, es hat zum ersten Mal geregnet und die Landschaft hat sich kaum bis wenig verändert. Gegen Ende war es Buschlandschaft und ich habe mir ein Rennen mit Chad geliefert. Sein 15 jähriger Tommy hatte gegen meinen 8 jährigen Jungspund natürlich keine Chance 🙂 Später habe ich erfahren, dass Chocolate ein Rennpferd ist und es mit dem richtigen Reiter eines der schnellsten Pferde im Stall ist. Wir haben in der Nähe der Stadt Daleschilling campiert und am Abend gab es ein kleines Geburtstagfest zu Gales 65 mit Kuchen und Keksen.
Und dann war es endlich so weit: Ich bin aufgestanden und NICHTS hat mehr geschmerzt! Es war wie der Himmel auf Erden! Keine Tabletten mehr, keine schmerzenden Knie nach Stunden im Sattel, keine pulsierenden Pobacken, schlicht ein Traum! Das Wetter war noch immer schlecht und wir ritten im Nieselregen durch endlose Weiten. Doch der Tag sollte sich noch zum Guten wenden. Das Nieseln stoppte schon bald, wir fanden uns in einer Sumpflandschaft wieder und hatten ein leckeres Mittagessen in einem kleinen Dorf. Kurz vor der Weiterreise wurden dann noch meine Stiefel geflickt, die Sohle hat sich gelöst und ich bekam zwei neue Sohlen verpasst. Nach einem sehr langen Tag, ich habe meine erste wilde Schlange überhaupt gesehen, kamen wir über eine Bergkette hinter Bayanuur. Die Aussicht kann ich nicht in Worte fassen, doch sie holten die ganzen bisher unterdrückten Emotionen hervor. Ich denke, dass diese Minuten die schönsten der ganzen Reise waren und selbst das Schreiben darüber treibt mir Tränen in die Augen. Es ist, als ob man unzählige Strapazen überwunden hat, nur für diesen einen Moment, dieser Blick auf eine Weite gesäumt mit Hügelketten, getaucht in das goldene Licht der sinkenden Sonne. Ich wollte nur eines; alleine sein und durch diese überwältigende Landschaft galoppieren. Dies ist ein Moment, den ich in meinem ganzen Leben niemals vergessen kann…
Ein Klopfen an der Zeltplane am nächsten Morgen holte uns aus dem Schlaf und Gale hielt Katharina einen jungen Welpen zur Begrüssung entgegen, welcher sie vom Brunnen zum Camp begleitet hatte. Katharina war sofort Feuer und Flamme für den jungen Hund (und noch nie so schnell wach….) und nach einem ausgiebigen Frühstück mit Müesli und frischer Kuhmilk (yummie!) ging es Richtung Lung. Wir hatten Lunch am Fluss als meine kleine Kamera den Geist aufgab. Es war kein grosser Verlust, aber es war doch praktisch, immer einen kleinen Schnippomat bei sich zu haben und sich nicht nur auf die sperrige DSLR von Kat zu verlasssen.
Nachmittags ritten wir durch weite Graslandschaften. Man spürt die beginnende Nähe zur Hauptstadt. Wir haben ein bisschen abseits der Strasse campiert und gingen früh zu Bett. Tagwache war um 04.15, um 05.00 Uhr ritten wir los, dem Sonnenaufgang entgegen. Heute war nur ein kurzer Tag, 25km bevor wir die Pferde auf den Truck verladen haben. Um etwa 08.00 Uhr sind wir im Hustai Nationpark angekommen, wo wir die letzten wilden Pferde der Erde, die Urpferde (Przewalski) beobachten konnten. Im Basislager des Nationalparks fanden wir auch gleich eine Dusche und mussten uns der Versuchung hingegeben. Ahh, das war ein gutes Gefühl! Da wir nicht durch UB durchreiten wollten, sind wir mit dem Jeep gefahren und die Pferde wurden auf dem Truck zum Turkish Monument transportiert. Wir hatten die Wahl zu campieren oder im Ger zu übernachten, aber nach einigen Nächten im Ger haben die meisten von uns das Zelt bevorzugt. Die Jungs von der Kasachenfamilie haben zwei Ziegen geschlachtet. Eine wurde auf dem traditionellen Weg mit dem Aufschlitzen der Kehle getötet und ausgeblutet, die andere wurde mit dem showmässigen ausreissen der Aorta erlegt. Danach wurden sie auf der Stelle gehäutet, keine 20 Meter weiter spielten die Kinder Basketball. Es mag bizarr erscheinen, aber diese zwei Ziegen bedeuten Nahrung für eine ganze Woche für die gesamte Familie und somit war das ein gängiges Prozedere.
Der letzte Tag bestand auch nur aus einem kurzen Ritt. Die Pferde wurden zunehmend unruhiger, da sie die Gegend, den Geruch und die Weiden kannten und nur nach Hause wollten. Wir hatten Mittagessen in einem magischen Wald der 100 Bäume und ritten vorbei an der 26m hohen Gingis Khan Reiterstatue aus Stahl zu einem kleinen Spa. Dort freuten wir uns über die erste Dusche mit warmen Wasser seit Tagen, zogen uns saubere Kleidung an und ritten die letzten 10 Minuten bis zum Pferdestall.
Wir wurden von einem riesen Empfangskomitee begrüsst und hatten endlich das Ziel erreicht!!

Zusammenfassung

Ich habe gerade 3 Stunden geschrieben und mag nicht mehr. Es lässt sich aber sagen, dass ich diese 11 Tage niemals vergessen werde, den ständigen Geruch nach Salbei, die Höhlen der Mäuse, die Falken über mir, die abwechslungsreiche Landschaft. Es ist nicht beschreibbar, was wir erlebt haben, Fotos geben diese unglaublich gewaltige Landschaft niemals wider, keine Worte können die herzhaften Leute beschreiben und doch hoffe ich, euch eine kleine Impression dieses wunderbaren Landes gegeben zu haben. Kommt und seht selbst!!

Wir sind jetzt übrigens wieder in UB und gehen am nächsten Sonntag auf einen erneuten 9 tägigen Trek, diese Mal aber nur Katharina und ich, zusammen mit Saichnaa und noch einem Jungen. Danach fliegen wir wohl in den Westen, ins Altai Gebirge und kommen rechtzeitig zum Naadam (dem grössten mongolischen Fest) wieder zurück und mit etwas Glück dürfen wir uns da gegen die lokalen Jungs im Pferderennen messen.

Fotos gibts wie immer auf Facebook und über folgenden Link:
https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

(PS: ich konnte leider nicht alle Fotos auf Flickr laden, aber ich hoffe ihr habt eine kleine Vorstellung. Ich werde, einmal zu Hause angekommen, die Fotos updaten)

Realitycheck

Es ist wieder einmal Zeit, euch die Ereignisse der letzten Tage mitzuteilen.

Doch erst möchte ich noch die letzte Fahrt mit der Transsib, beziehungsweise der transmongolischen Eisenbahn hier niederschreiben.

Als wir in Ulan-Ude am späten Nachmittag angekommen sind, haben wir in ein gemütliches kleines Hostel eingecheckt. Die Hostels hier sind hauptsächlich private Wohnungen in deren Schlafzimmer ein paar Hochbetten gestellt wurden. Die Atmosphäre ist aber genau aus diesem Grund um einiges familiärer, als in den grossen Hostels.

Nach Bezug der Betten haben wir uns für einen kleinen Rundgang in der Hauptstadt der Buryaten entschieden. Die Menschen haben östlich des Baikalsees einen grossen Anteil des asiatischen Aussehens geerbt. Zudem, nach einigen schlechteren Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung in Irkutsk, wurden wir von der Freundlichkeit der Leute auf der Strasse in Ulan Ude überrascht. Passanten haben uns angelächelt, ja sogar auf offener Strasse umarmt; die übliche Prüfung auf Diebstahl danach hat sich als unbegründet erwiesen…
Abendessen gab es in einem Grillrestaurant, wo wir die lokale Spezialität Schaschlik probiert haben. Schaschliks sind im Grunde nichts anderes als leckere Fleischspiesse. Nach dem Essen, wir wollten gerade aufbrechen, wurden wir an den Nachbarstisch von zwei rüstigen Damen und ihrer männlichen Begleitung zu Vodka und Snacks eingeladen. Die zwei Frauen haben ein Auge auf mich geworfen. Gemischt mit der Sprachbarriere sorgte das für eine lustige Stimmung am Tisch.

Am nächsten Morgen in der Früh ging unsere Reise mit dem Zug in Richtung der russisch-mongolischen Grenze weiter. Zum ersten Mal seit unserem Aufbruch hatten wir das Abteil nicht nur für uns alleine, ein holländischer Familienvater hat uns bis an die Grenze begleitet. Die Fahrt führte durch karge Steppenlandschaft, vorbei an kleinen völlig isolierten Dörfern. Es war ein warmer und sonniger Tag, die Überführung in die Mongolei erwies sich als absolut unproblematisch, doch der Aufenthalt von rund 7 Stunden machte uns etwas zu schaffen. Unser Wagon wurde vom Rest des Zuges abgehängt und so standen wir stundenlang alleine auf dem Gleis und wurden in der Sonne gebraten. Der Wagon verfügte über keinerlei Lüftung, geschweige denn eine Klimaanlage und ein Verlassen des „Zugs“ wurde nicht genehmigt. Wir wissen dafür nun, wie sich die Folterzelle in den Gulags anfühlen muss. Die Temperatur hat sich in den Abteilen bei etwa 45°C eingependelt, glücklicherweise haben wir im Voraus für eine genügend grosse Flüssigkeitsreserve gesorgt.
Nach der Grenze ging es durch malerische Landschaften in die sternenklare Nacht und am nächsten Morgen wurden wir von unserem Kontakt am Bahnhof in Ulaan Baator abgeholt. Er hat uns in seine überaus luxuriöse Wohnung gebracht, wo wir uns erst einmal aufs Ohr hauen mussten.
Dominic hat uns versichert, dass wir einige Tage bei ihm bleiben dürfen, was uns sehr entgegen kam.

UB besteht aus einem Kern mit protzigen Hochhäusern und einem Ring aus Jurten, welche sich an den Hügeln präsentieren. Uns wurde gesagt, dass wir diese Jurtenviertel um jeden Preis meiden sollten, da uns nicht nur Raub sondern auch körperliches Leid drohe. Anscheinend wurde erst kürzlich eine Touristin aufgehängt und völlig entblösst unter einer Brücke gefunden. Ob das nun Schauermärchen sind oder den Tatsachen entspricht möchten wir ungern selbst herausfinden.

Dominic hat uns ein Treffen mit einer Kanadierin vorgeschlagen, welche des Öfteren Pferdetreks durchführt und uns einige Fragen zu unserem Vorhaben beantworten könne.
Julie hat uns dann erklärt, dass wir ohne Guide ziemlich aufgeschmissen wären und uns eingeladen, an ihrem Charity Ride, welcher am nächsten Samstag startet, teilzunehmen. Die Gruppe besteht aus 7 Teilnehmern und die Route führt von Tsetserleg über die alte Hauptstadt Kharkhorin an der Grenze zur Wüste Gobi nach UB zurück. Etwas über 700km in 10 Tagen – nicht schlecht! Wir haben uns dafür entschieden, am Gobi Gallop teilzunehmen und die mütterliche Julie hat uns einen überaus grosszügigen Preis offeriert. Da wir jedoch noch weitere drei Wochen in der Mongolei bleiben, hat sie ebenfalls organisiert, dass wir nach dem Trek mit zwei Söhnen der Pferdebesitzerin für weitere zwei Wochen durch die nordöstliche Mongolei reiten werden.

Ich möchte an dieser Stelle Julie Veloo und der Veloo Foundation unseren herzlichsten Dank aussprechen und ermutige euch, vielleicht den ein oder anderen Batzen der Stiftung zu Gute kommen lassen:
http://www.veloofoundation.com/

Ihr findet übrigens eine Beschreibung des Gobi Gallops unter folgender Adresse:
http://www.horsetrekmongolia.com/gobi-gallop-charity-ride.html

Gestern sind wir zu der Pferdefarm gefahren, welche sich ungefähr eine Autostunde östlich von UB befindet und haben erste Erfahrungen mit den mongolischen Pferden gesammelt. Die Tiere sind zwar klein, aber unglaublich kraftvoll und auch schreckhaft. Auch der Reitstil ist anders als bei uns, so werden die Richtungsvorgaben hauptsächlich über die Zügel gemacht und einige der Pferde besitzen noch einen zusätzlichen Gang. Die Schrittlänge ist sehr kurz und vor allem im Trab muss man sich erst daran gewöhnen.
Heute waren wir zurück in UB auf dem Narantuul Market, dem grössten Markt Asiens und haben uns mit Reitstiefeln, Hüten und Weiterem eingedeckt. Morgen gibt es noch einmal einen letzten Ruhetag bevor wir am Freitag nochmals zur Pferdefarm fahren für die Hauptprobe. Am Samstag werden wir dann samt den Pferden nach Tsetserleg gefahren um Sonntagmorgens aufzubrechen.

Ich werde in den folgenden Wochen wohl sehr eingeschränkten Zugang zum World Wide Web haben, deswegen wird dies der letzte Eintrag für sicher zwei Wochen.

Aktuelle Fotos findet ihr wie gewohnt entweder auf Facebook oder über folgenden Link:
https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

Wir freuen uns sehr, dass sich uns diese Möglichkeit geboten hat, auch wenn wir schlussendlich nicht zu zweit durch die Mongolei reiten. Trotzdem wird das bestimmt eine super Erfahrung und wir hoffen, dass es unfallfrei von Statten geht.

Bis zum nächsten Mal

Bilder zur Reise

Liebe Leser,

Ich kann leider momentan keine Bilder direkt in den Text einfügen, habe aber ein paar Impressionen bei Flickr hochgeladen. Ihr könnt sie unter folgendem Link anschauen:

https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

Bei Problemen oder im Allgemeinen erreicht ihr mich unter http://fb.com/sheshe87 oder per Mail auf steven.strausak@gmx.ch.

Ich bin momentan in Ulaan Baatar in der Mongolei und wir bereiten die Weiterreise zu Pferd vor. Ich werde jedoch vorher nochmals einen Blogeintrag mit den letzten Ereignissen erstellen.

PS: Der Sommer hat auch hier Einzug gehalten und wir haben bis zu 32°C!!

Von bösen Frauen und Felsen

Der Zug fuhr um 4.47 in der Früh in Irkutsk ein. Katharina und ich haben beide nicht viel geschlafen in der letzten Nacht, da der Schaffner die Heizung auf etwa 35°C hochgedreht hatte. Der Grund dafür haben wir bis heute nicht verstanden.

Unsere Planung sah vor, dass wir als Nächstes gleich zu der Orchol Insel im Baikalsee fahren würden. Die erste Hürde war jedoch, erst einmal zum Busbahnhof zu gelangen. Im Wartesaal des Bahnhofs sind wir auf ein ebenfalls etwas ahnungsloses englisches Paar gestossen. Wir haben uns dann zusammengetan und sind mit dem Tram zur Busstation gefahren. Der Bus sollte um 10.00 fahren und wir haben das auch telefonisch rückbestätigt. Der Fahrer, welcher schon um 8.30 Uhr erschienen ist, hat uns wegen jeder Kleinigkeit auf Russisch beschimpft und so ist der Ausdruck “Böse Maa” entstanden. Die Fahrt im Minibus war alles andere als entspannend; der Ausdruck ‘wie die Sardinen in der Büchse’ beschreibt die Platzverhältnisse wohl am treffendsten. Doch aufgrund des Schlafmangels war das nicht so schlimm und die Landschaft hat hat uns für Vieles entschädigt. Die holprige Strasse führte durch weitläufige Steppen mit grasenden Kühen und wilden Pferden. Erst jetzt kam so richtig Vorfreude auf die Mongolei auf. Nach gut 5 Stunden Fahrt kamen wir zum Fährhafen, wo wir auf die Insel Orchol übersetzten. Es dauerte nochmals etwa eine halbe Stunde bis wir in Kushir angekommen sind. Nikitas Homestay hiess unser Lager für die nächsten 3 Tage. Die Unterkunft bestand aus zahlreichen kleinen Hütten mit jeweils zwei Betten im Zimmer. Jimi und Bridie, das englische Paar, wurde direkt in unser Nachbarzimmer eingeteilt und wir haben gleich die umliegende Gegend zu Fuss erkundet. Der eher hohe Preis von 30.- pro Nacht beinhaltet auch drei Mahlzeiten, Hauptspeise war Fisch aus dem Baikalsee und Teigwaren mit roter Beete als Beilage (ja Mama, ich habe alles aufgegessen!).

Die Insel erstreckt sich etwa 80km in der Länge und etwa 10km in der Breite. Da sie nur mittels gebuchten Touren zu erkunden war, haben wir beschlossen uns auf die nähere Umgebung und die Stadt Kushir zu beschränken.

Der Baikalsee ist der grösste und tiefste See der Welt und liefert eines der saubersten Trinkwasser überhaupt. Bis vor wenigen Wochen war er noch zugefroren und im Winter gibt es sogar Strassen auf dem meterdicken Eis. Die lokalen Leute sind hauptsächlich Christen und Schamanen. Gleich neben unserem Hostel war der berühmte Schamanenfelsen, welchen man mit jeder Fotosuche über Google findet und auf 98% der Postkarten abgebildet ist. Katharina wollte ihn um jeden Preis auf ihren Fotos vermeiden, gab dann aber schlussendlich doch Klein bei.

Die Zimmer waren gemütlich eingerichtet und ein Holzofen sollte uns in der Nacht Wärme spenden. Da K. für das Feuer zuständig ist, hat sie sich gleich an die Arbeit gemacht und den Ofen angefeuert. Dumm nur, dass die Abzugsklappe noch zu war und sich dicker Rauch durch die Ritzen und Fugen in den Räumen ausgebreitet hat. Der Feueralarm konnten wir dann aber auch gleich wieder abstellen und die Klappe haben wir schlussendlich auch noch gefunden. Die böse Frau (eine neue Managerin) kam jedoch gleich zu uns runtergestürmt und hat sich erzürnt, dass ihre ganze Ladung frischer Wäsche nun nach Rauch stinke. Wir waren noch keine 2 Stunden vor Ort und sie hat uns diesen Fauxpas bis zu unserer Abreise nicht vergeben.

Am nächsten Tag haben wir uns gegen das Fischen, dafür für einen ausgiebigen Spaziergang entschieden. Um 5 Uhr Nachmittags wollten wir einen Bootsausflug zu den benachbarten Inseln machen um unter anderen die weltweit einzigartigen Süsswasserrobben zu bestaunen. Schwere schwarze Wolken zogen just um 16.30 auf und der Ausflug wurde wegen Sturmgefahr abgesagt. Die Regenzelle zog jedoch an der Insel vorbei und es war umso ärgerlicher, dass wir nicht rausfahren konnten.

Wir haben dafür gleich das Banyu, die russische Form der Sauna, gebucht und zwei Stunden später sassen wir in der über 80°C heissen, trockenen Hitze und haben unsere Seele entspannt.

Abends waren wir noch am Seeufer um den wunderschönen Sonnenuntergang zu bestaunen. Die Wolken schimmerten in einem pinken Licht, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Jimi hat dann auch noch seine Pfeife und eine kleine Flasche feinsten Scotchs ausgepackt und der misslungene Ausflug war schnell vergessen.

Wir konnten auch gleich noch unsere Wäsche waschen und haben einige Postkarten geschrieben. Leider war die Zeit auf der Insel für uns schon wieder vorbei und wir fuhren mit dem Minivan wieder zurück nach Irkutsk während Jimi und Bridie noch 5 Tage länger verweilen.

Falls irgendejmand irgendwann irgendwie in diese Gegend Sibiriens gelangen wird können wir euch den Ausflug zur Insel Orchol trotz der Strapazen wärmstens empfehlen!

Wir haben nach einer Nacht in Irkutsk nun wieder den Zug bestiegen, welcher uns entlang des Baikalsees in 7 Stunden nach Ulan-Ude bringen wird und freuen uns auf die nächsten Abenteuer, welche diese Reise mit sich bringen wird.

Leider funktioniert der Fotoupload momentan nicht, ich versuche mich aber bald darum zu kümmern.