Auf zwei Rädern durch Kambodscha

Es ist mal wieder Zeit, meine Erlebnisse niederzuschreiben. Ich schulde euch noch den Süden Vietnams, oder besser das Mekong-Delta.

Ich und Emilie haben uns mit lokalen Bussen ins Delta vorgeschlagen und wurden dort von einem Typen angesprochen, der Tours durch die Gegend verkaufte. Eigentlich wollten wir auf eigene Faust gehen, doch das Programm hat eigentlich alles abgedeckt, was wir vor hatten und somit entschlossen wir uns, die Tour zu buchen. Das Mekong Delta ist ein flaches, durch Flüsse, Bäche und Seen geprägtes Gebiet im Süden Vietnams und Kambodscha. Der Guide führte uns auf zahlreiche Inseln, welche wir per Boot und zu Fuss erkundeten. Highlight war sicherlich, als wir bei einer vietnamesischen Familie zu Gast waren. Das Abendessen war super lecker und anschliessend haben wir mit dem Patron noch Reiswein getrunken und viel über ihn und seine Familie erfahren. Am nächsten Tag gings dann mit dem Roller Flussaufwärts bis zu einem der zahlreichen Floating Markets. Dort stiegen wir ins Boot um und haben den Markt aus nächster Nähe betrachten können. Die Handelsgüter waren mehr oder weniger die selben, wie auf “trockenen” Märkten für die lokale Bevölkerung, also viel Früchte, Reis, Fleisch und allerlei Bootszubehör.

In Chau Doc stiegen wir ein paar Tage später in ein Boot, welches uns über die Grenze und weiter gegen den Strom nach Phnom Penh in Kambodscha brachte. Wir haben im Boot noch ein Mädchen getroffen, welches wir schon in Mui Ne in Vietnam kennen gelernt haben. Noch auf dem Boot haben wir alle drei Pläne für Kambodscha geschmieded. Mathilde ist schon viel in Vietnam auf zwei Rädern gereist und somit stand der Plan fest, Kambodscha auf dem Roller zu erkunden. In Phnom Penh hat sich dann jeder von uns einen Roller für 11 Tage gemietet und wir haben so die Stadt erkundet. Nach Vietnam sieht alles in Kambodscha unglaublich sauber und pompös aus, die Tempel und Pagoden sind alle mit Gold bemalt und wirken unglaublich dominant. Tempel gibts übrigens fast alle 5 Minuten zu sehen.

Erst mal eine kleine Übersichtskarte von Kambodscha

Royal Palace in Phnom Penh

Nach dem kurzen Sightseeing fuhren wir dann in den Süden ans Meer nach Sihanoukville. Die gut 250km lange Strecke hat uns fast 7h auf den Bikes gekostet. Kurz vor Ankunft ist dann Emilie das erste Mal hingefallen – es sollte bei weitem nicht das letzte Mal gewesen sein… Sie ist das erste Mal auf einem halbautomatischen Roller unterwegs und hat sich ziemlich tapfer gehalten bis da hin. Sihanoukville haben wir dann im Dunkeln erreicht und fielen ziemlich bald in einen tiefen, traumlosen Schlaf.

“Pedding” (Kommt von Moped)

In der Hafenstadt gibts eigentlich nicht viel zu sehen und somit haben wir einen Tag am Strand eingelegt und dem örtlichen Kino einen Besuch abgestattet. Das Kino ist eigentlich ein Privatsaal für 4-5 Leute mit einem Flachbildschirm und einer Festplatte voll mit runter geladenen Filmen und aktuellsten Serien.

So siehts aus da…

Strassenschild, leider haben wir keine wilden Elefanten gesehen

Wir sind hauptsächlich nach Google Maps gefahren und auch die Routenplanung wurde über die App gemacht. Ich habe einen Weg von Koh Kong nach Pursat gefunden und wir dachten, es wäre super durch den Nationalpark zu fahren und dann weiter um den zentralen See nach Siem Reap. Naja, Google Maps hat uns ziemlich verarscht. Wir sind von Koh Kong los auf einer breiten, oft befahrenen Schotterpiste. Mathilde hatte Spass und ich musste manchmal ziemlich Gas geben um ihr folgen zu können (Ihr Roller war aber auch viel besser als meiner!!!). Emilie hatte ein bisschen weniger Spass und fuhr ganz gemütlich hinten nach während sie Blut schwitzte. Die Situation hat mich ein bisschen an Papa und Mama erinnert 🙂 Irgendwann kamen wir dann zu einem Bergwerk, wo die Strasse aufhörte. Hmm, ich habe nochmals die Karte angeschaut und gemerkt, dass wir gar nicht auf der Strasse sind, auf der wir eigentlich sein sollte. Also wieder zurück – Emilie ist bis da hin schon zwei weitere Male umgefallen und entsprechend demotiviert – und einen anderen Weg suchen. Wir haben ihn dann auch gefunden und es fing direkt mal mit einer Flussdurchquerung an. Die Strasse ist definitiv nicht mehr als eine solche zu bezeichnen, ich bevorzuge “ausgewaschenes Flussbett”. Nach ein paar weiteren Stunden, wir sind nicht wirklich vorwärts gekommen, da Emilie andauernd hinfällt und es auch Mathilde erwischt hat. Wir haben nicht mehr viel Wasser und vielleicht gerade mal einen Fünftel der Strecke geschafft. Ob noch Benzin im Tank ist, wussten wir auch nicht und es war schon 14.00 Uhr. Wir sind noch ein bisschen weiter gefahren, der Weg war meistens eben und wir sind in einer Kolonne durch den dichten Dschungel gefahren. Das Wissen, dass in diesem Park auch Tiger leben hat die Situation auch nicht gerade beruhigt und nach einem eher heftigen Abschnitt (beide Mädels sind noch ein paar Mal hingefallen) haben wir beschlossen umzudrehen und die Mission abzubrechen. Der Rückweg hat fast doppelt so lange gedauert, da die sportlich fahrende Mathilde zum ersten Mal zu spüren bekam, wie sich ein Unfall anfühlt und Emilie sowieso nahe am Nervenzusammenbruch war. Eskaliert ist das Ganze dann, als Emilie auf einem einfachen geraden Abschnitt wieder hingefallen ist und (sorry, ich muss mich zusammenreissen!) ihr Rucksack vom Bike in einen kleinen Bach fiel. Eigentlich ist es ja traurig, aber es war nur ein loch von ca. 1m x 1m und sie stürzt genau da. Dummerweise war ihr Handy und alles andere an Elektronik im Rucksack. Glücklicherweise hat alles nach zwei Tagen eingelegt im Reissack wieder funktioniert!!

Die Mädels waren überfroh, als wir wieder in der Stadt angekommen sind und wir haben uns alle erst mal ein Bier gegönnt. Die Strecke wäre übrigens durchaus schaffbar gewesen, es hatte ein paar schwierige Stellen, aber ein erfahrener Motorist kommt da locker durch (es sind uns sogar zwei Locals entgegengekommen, beladen mit je einem Schwein auf dem Motorrad!!). Bis auf ein paar Schürfungen und kleinen Blessuren ist aber nichts passiert! Wir haben noch einen Mechaniker aufgesucht, der die kaputten Roller wieder herrichtete. Mechaniker gibts übrigens in jedem 10-Leute-Kaff wie Sand am Meer. Ich glaube in Kambodscha gibts mehr Mechaniker als Restaurants!

 

Ich musste auch noch die Roller der Mädchen hoch-  und später wieder runterfahren

Am nächsten Morgen mussten wir dann also eine weite Strecke fahren um im Zeitplan zu bleiben. Wir haben es nach einem langen Tag bis zur ehemaligen Regierungshauptstadt Oudong ein bisschen nördlich von Phnom Penh geschafft. Kambodscha ist absolut nicht touristisch abgesehen von den zwei grössten Städten Phnom Penh und Siem Reap (mit dem weltbekannten Angkor Vat) und somit haben wir ins einzige Hotel eingecheckt und ein weiteres Mal Streetfood gegessen. Neben uns sassen der Polizeichef der Region und weitere hohe Beamte der Behörden. Wir hatten viel Spass, obwohl die unterschiedlichen Sprachen ein paar Schwierigkeiten machten, doch mit Hand und Fuss kann man sich immer verständigen. Die Männer in Kambodscha, vor allem Polizei und Beamte, gehen sehr gerne am Abend auf die Strassen und betrinken sich bis zum geht nicht mehr.

Nach einer weiteren Etappe sind wir dann endlich in Siem Reap angekommen und haben das Nachtleben erkundet. Es gibt unglaublich viele Night Markets und es herrscht ein buntes Treiben.

Auf dem Plan stand aber hauptsächlich der Besuch der weltgrössten Tempelanlage und UNESCO Weltkulturerbes. Die über 1000 Tempel, Dörfer und Pagoden erstrecken sich über das ganze Land und es wird vermutet, dass zum Höhepunkt des Königreichs bis zu einer Million Menschen im Grossraum Angkors gelebt haben. Wir haben lediglich zwei Tage eingeplant, es ist kaum möglich alles zu sehen und wir haben uns auf die wichtigsten Bauwerke beschränkt. Glücklicherweise konnten wir die Stätte mit unseren eigenen Rollern besuchen, ansonsten hätten wir wie alle Touris ca. 15$ für das Tuk Tuk bezahlen müssen.

Nun ja, die Tempel sind auf jeden Fall unglaublich beeindruckend, aber nach einer gewissen Zeit macht sich doch eine gewisse Müdigkeit breit. Auf der Suche nach einem schönen Platz um den Sonnenuntergang zu bestaunen wies uns ein Local an, auf den Hügel hochzuklettern. Es waren ca. 1000 Stufen bis wir oben zu einer Ruine kamen, welche wir hochstiegen und einen wunderschönen Überblick auf das Gelände hatten.

Nach den Tagen in Siem Reap haben Mathilde und ich uns von Emilie getrennt, weil sie wieder zurück nach Phnom Penh musste um ihren Flug zu erwischen. Wir sind noch um den See gefahren, bevor uns der Weg ebenfalls zurück nach PP führte. Mathilde flog dann zurück nach Hanoi bzw. zurück nach Frankreich und ich bin weiter nach Bangkok geflogen, wo ich jetzt sitze und auf meinen Bus in den Norden Thailands warte.

Angkor Vat

Mathilde

Unser Sonnenuntergangs Tempel

Jeder Turm hat vier Gesichter, die eine wesentliche Rolle im Buddhismus spielen

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kambodscha unglaublich vielfältig und doch ziemlich gleich ist. Es ist ein wunderschönes Land, mit sehr offenen, hilfsbereiten und freundlichen Leuten, eine kleine Oase in Südostasien. Die Touristen besuchen hauptsächlich die zwei grossen Städte und somit bleibt der Rest des Landes relativ unberührt vom Westen. Nach gut 20 Tagen (zusammen mit dem Mekong Delta), war ich jedoch froh, als ich mal wieder eine Pizza essen konnte und nicht drei Mal am Tag Reis und Nudeln essen musste. Ich freue mich aber schon wieder aus der Stadt raus zu kommen.

Anstatt umzufallen ist mir nur die Kette gerissen

Ein lokaler Bus (die Leute haben glaube ich noch nie einen Westerner auf einem Moped gesehen und uns immer bestaunt)

Aussicht: Ich werde vermutlich schon bald wieder in die Schweiz zurückkehren. Der Kontostand rückt mehr und mehr gegen Null und der Gedanke wieder an einem Ort zu leben (zumindest für eine gewisse Zeit) fühlt sich gut an. Ich werde jetzt erst in den Norden Thailands gehen und danach im Süden die traumhaften Inseln besuchen und gewiss den ein oder anderen Tauchgang machen bevor ich wieder nach Hause komme.