Bali Belly

Bali Belly

Ich habe die letzten zwei Wochen in Neuseeland in Wellington in einem Backpacker-Hostel verbracht und nach günstigen Flügen Ausschau gehalten. Für 600$ bin ich dann am 9. Juli von Wellington nach Denpasar auf Bali geflogen. Die Wartezeit war schwierig, die Trennung hat mich sehr mitgenommen und auch jetzt, einen Monat nach der Aufgabe der Beziehung kämpfe ich manchmal noch mit meinen Gefühlen. Doch das Leben muss irgendwie weiter gehen und so habe ich beschlossen in Bali einen Neuanfang zu starten. Da ich alleine unterwegs bin, gibt es oft einsame Momente, in denen ich in mich kehre und zu viel über Dies und Das nachdenke. Was hilft also mehr gegen diese Momente als Gesellschaft?

 

Am Flughafen in Denpasar angekommen erwartete mich eine schwüle, aber nicht unangenehme Hitze. Vorbei an den Scharen von Touristen, die hinter einer Glaswand auf Ihren Abflug warteten passierte ich die Beamten vom Zoll und bekam mein Touristenvisum in den Pass gestempelt. Vor den Türen des Flughafens warteten schon duzende Taxifahrer und stürmten zu mir, wie Kinder zu dem Eiverkäufer stürmen. Ich gab einem Fahrer die Adresse von dem Hostel und fühlte mich bereits wieder ein bisschen wie zurück in Ägypten. Dieser erste Eindruck sollte noch lange anhalten. Der Verkehr ist flüssig, folgt aber seinen eigenen ungeschriebenen Gesetzen. Die Rollerfahrer, und davon hat es mehr als Velofahrer in Amsterdam, schwirren links und rechts am Auto vorbei, es wird gehupt und hektische Handzeichen gelten als Standard. Dennoch war ich überrascht, wie gut es funktionierte und je länger ich hier bin, desto einfacher ist es, sich im Verkehr zurecht zu finden. Fast jeder blinkt (auf jeden Fall mehr als auf schweizer Autobahnen); die Autos fahren generell in der Mitte der Strasse, so dass die Roller auf der Seite überholen können und so sicherer vor dem entgegenkommenden Verkehr sind; die Zweiräder werden aber sonst von den Autofahrern ignoriert und müssen für sich selbst schauen; und das Wichtigste, alles ist erlaubt, man muss sich nur gegenseitig respektieren.

 

Die Unterkunft erinnerte mich ein bisschen an die Militärzeit, ein Raum mit insgesamt zwölf übereinander gestapelten Betten, jeweils drei in einer Reihe. Nur hatte man ein bisschen mehr Platz als das man sich von den Hühnerkäfigen in der Zivilschutzanlage gewohnt war.

Ich habe mich am ersten Abend dann gleich mit ein paar Bekanntschaften in die Clubs in Legian aufgemacht und wusste sogleich, dass ich hier nicht bleiben möchte.

Am nächsten Tag habe ich dann eine Freundin aus der Schweiz und ihre holländische Freundin getroffen und wir haben uns ein Auto gemietet um die Insel in ein paar Tagen zu erkunden. Irgendwie ist alles einfach hier, ein paar kurze Formalitäten später hatten wir schon das Auto an die Unterkunft gebracht bekommen und wir konnten selbst losfahren. Der Weg führte durch dichte Siedlungen mehr oder weniger der Küste entlang Richtung Nordwesten. Als Tagesziel wurde Medewi ausgewählt und nach kurzer Suche haben wir ein Hotel für die Nacht gefunden. Kurz darauf sind wir runter an den Strand und wurden durch freundliche Locals begrüsst. Medewi ist sehr stark vom Islam geprägt und trotz des Ramadans wurde uns gleich etwas zu trinken angeboten. Wir haben viel geplaudert und sind danach in ein Warung (=Restaurant/Hotel) wo ich zum ersten Mal die indonesische Küche entdeckte. Klassisches Mahl ist Nasi Goreng aber sämtliche Kombinationen aus Reis oder Nudeln mit Gemüse, Hühnchen oder Seafood ist gängig.

Am darauffolgenden Tag sind wir weiter in den Nordwesten der Insel gefahren und wollten einen Schnorchelausflug zur einer nahe gelegenen Insel im einzigen Nationalpark machen. Der Ranger verlangte gut 80.- Franken für einen Tagesausflug mit dem Boot, doch glücklicherweise konnten wir uns einer Tauchgruppe anschliessen und haben knapp einen Drittel davon bezahlt. Die Stunden auf dem Boot und vor allem im Wasser waren sehr schön, auch wenn die Riffe schon ziemlich ausgebleicht waren. Danach führen wir weiter ins holländisch geprägte Lovina, wo wir einen super Deal mit einem Hotelbesitzer machen konnten. Vielen Dank an dieser Stelle für das Verhandlungsgeschick und den Nationalitätenbonus unserer holländischen Freundin. Der Besitzer, ein Innenarchitekt, hat das Zimmer mit tausenden Muscheln geschmückt, selbst die Lampen waren aus Muscheln gefertigt. Wir haben beschlossen, einen weiteren Tag zu bleiben und haben am nächsten Tag einen Ausflug zu den von der UNESCO als Welterbe eingestuften Reisfeldern, sowie einem Wassertempel gemacht.

Wassertempel

Reisfelder

Muschelzimmer

Danach fuhren wir durch die Inselmitte, vorbei an riesigen Vulkankratern in den Südosten und haben uns für die letzte Nacht in Padang Bai einquartiert. Das Dorf wird bestimmt vom Hafen, wo die Fähren zu der Nachbarinsel Lombok übersetzen.

Und schon neigte sich der Roadtrip dem Ende zu. Wir haben Salome in Ubud, der Künstler- und Alt-Hippiestadt abgesetzt und den Wagen zurückgebracht. Danach habe ich mich von Lianne verabschiedet und mir einen Roller gemietet um damit zurück nach Ubud zu kommen und gemeinsam mit Salome die Stadt zu erkunden. Auf dem Weg dahin wurde ich prompt von einem Motorradpolizisten angehalten und musste aufgrund eines fehlenden Internationalen Führerscheins eine Busse bezahlen. Er hat mir gedroht, meinen Führerschein einzubehalten und so habe ich ihm anstatt der verlangten 100.- angefangen Noten in die Hand zu drücken. Schluss war bei 40.- und ich durfte mit Führerschein weiterfahren. Seit dem Ereignis schaue ich ganz genau, ob ich irgendwo einen Polizisten erkennen kann. Später wurde mir gesagt, bei stationären Kontrollen soll man einfach durchfahren und versuchen abzuhauen, schafft man das, gebührt einem der Respekt des Polizisten. Ich hoffe, nicht in diese Situation zu kommen (obwohl so eine kleine Verfolgungsjagd sicher lustig wäre J).

Ubud hat sehr viel im künstlerischen und spirituellen Rahmen zu bieten, ist ansonsten aber eine gewöhnliche Stadt in Bali. Wir haben also einen Spaziergang durch die Strassen unternommen und sind durch die Hauptattraktivität, den Monkey Forrest, gewandert. Dort wimmelt es von Affen und wir hatten viel Spass mit Ihnen. Ich wurde sogar von einem Tier verfolgt, weil ich ihm an den Schwanz gefasst habe. Die Affen klauen angeblich was das Zeug hält und sind so intelligent, dass man einen Tauschhandel Banane gegen geklaute Ware machen kann.

 

Am nächsten Morgen habe ich mich auch von Salome verabschieded und bin weiter auf die südliche Halbinsel Bukit gedüst. Dort habe ich ein Warung an einem wunderschönen Strand gefunden und bin seitdem hier. Die Wellen brechen wie im Bilderbuch direkt vor meinem Fenster und ich habe mir ein Surfboard gemietet und bin jeden Tag mehrere Stunden auf dem Wasser am Surfen (ich werde mittlerweile richtig gut!!) Ich habe jetzt erstmals für weitere vier Tage verlängert und lasse meine Seele baumeln. Um auf das Eingangsthema zurückzukommen, die Gesellschaft hat mir über diese Tage sehr geholfen mich ein wenig abzulenken und meine Reiselust kommt langsam wieder zurück. Doch bis dahin geniesse ich den Sonnenschein, die super Wellen und freue mich jeden Tag aufs Neue die Wellen abzureiten.

Mein “Hotel”…

… an diesem Strand

Sunset beer

Stimmungsbild 🙂

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