Good Morning Vietnam

Wenn man Vietnam hört, denkt man automatisch an den Krieg, Kommunismus und vielleicht noch an schöne Strände. Und genau so ist es, das Land selbst wurde von den Franzosen kolonialisiert und dann von den Amerikanern verbombt und diese Umstände sind noch sehr stark im Alltag und dem Geiste der Menschen zu spüren. Dennoch ist die Natur geprägt von zahlreichen Weltkulturerben und Nationalparks, sogar eines der neuen 7 Naturweltwundern ist hier zu finden.

Ich habe mich also von Bali und Indonesien verabschieded und mich mit meinem neu gewonnenen englischen Freund Jack in der Hauptstadt Vietnams Hanoi verabredet. Er ist schon zwei Tage früher nach Singapur geflogen um sich die Stadt ein wenig anzuschauen. Wir haben uns dann aber am Flughafen in Singapur getroffen, da wir per Zufall die selbe Maschine nach Hanoi gebucht hatten.

Hanoi ist eine sehr lebendige Stadt, doch nach 11 Uhr abends kehrt komplette Ruhe ein. Die Läden folgen einer strikten Sperrstunde, die von der Polizei auch kontrolliert wird. Es kam mehr als einmal vor, dass wir abends noch beim Bier sassen und die Besitzer die Lichter im lokal losch und sämtliche Stühle reingetragen hat. Gerade als er fertig war, wir haben immernoch unseren Gerstensaft geschlürft, kam die Polizei um die Ecke, hat kurz rumgeschaut, und ist wieder abgefahren. Die Lichter gingen wieder an, die Tische wieder nach draussen getragen und es ging weiter wie zuvor. Doch spätestens ab Mitternacht schliessen auch die letzten Bars und Clubs und die Leute gehen nach Hause – es sei denn, man weiss wo die illegalen Parties steigen 😉

Nach ein paar Tagen in Hanoi wurde uns das Stadtleben definitiv zu viel und wir haben eine Tour zu einem der neuen 7 Welt-Naturwundern gebucht. Ein Minibus hat uns zu einem Boot in der Ha Long Bay geführt, auf dem wir die nächsten zwei Tage durch die von 1969 Kalkinseln geprägten Bucht dümpelten. Wir haben eine Höhle in einer der Inseln besucht und mit dem Kanu kleinere Inseln angefahren. Wenn einem das Panorama tagsüber noch nicht vollständig begeistert hat, überzeugt es spätestens zum Sonnenuntergang. Ich bin auf eine der Inseln geklettert um von dort über hunderte Inselchen der sinkenden Sonne entgegenzublicken.

Ha Long Bay

In der Nacht wollten wir eigentlich Kalamare fischen, doch die bissen leider nicht an. Wir haben als einziges Lebewesen einen Krebs vorbeischwimmen sehen und beschlossen, diesen Krebs zu fangen. Am Ende haben wir ganze 5 Krebse mit selbst gebauten Krebs-Fallen gefangen und dem Koch zum verarbeiten weitergereicht. Viel Fleisch war nicht dran, doch es war ein gelungener Mitternachtssnack.

Kiosk in der Ha Long Bay

Am nächsten Tag sind wir noch weiter durch die bezaubernde Landschaft gecruised und dann via Minibus wieder zurück nach Hanoi gefahren, denn schon bald ging der Buffalo Run, eine Tour von Hanoi nach Hoi An los…

 

Buffalo Run

Wir waren eine Gruppe von 11 Leuten, inklusive einem neuseeländischen und einer vietnamesischen BegleiterIn. Am ersten Tag ging es zu einem Nationalpark im Landesinneren, wo wir eine Affen- und Schildkrötenaufzugsstation besucht haben. Danach sind wir mit dem Fahrrad die rund 20 km durch den Park geradelt und haben unterwegs eine weitere Höhle besucht. Am Ende erwartete uns die einfache, aber mitten im Dschungel gelegene Unterkunft. Nach einer kalten Dusche um den Körper wieder ein bisschen abzukühlen wurde uns das erste Mal richtiges vietnamesisches Essen serviert. Es gibt generell Schweine- und Rindsfleisch, dazu Variationen von Gemüse, meistens Kürbis, Gurken und Tomaten dazu Nudelsuppe oder Reis und selbst gebrannten Reiswein. Der Reiswein verdient eigentlich den Namen Wein überhaupt nicht, denn es ist eher ein starker Schnapps. Nach unzähligem Anstossen torkelten wir, mit Taschenlampen bewaffnet durch den pechschwarzen und zirpenden Dschungel. Der vietnamesische Guide hatte schon ein bisschen zu viel Reiswein intus und erfreute sich daran, uns Steckinsekten (stick insects) anzuwerfen. Normalerweise sieht man in der Nacht auch noch fliegende Eichhörnchen, ab und zu eine Schlange und sogar Loris. Doch ein Sturm, der den Tag zuvor gewütet hat, hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht und die “coolen” Tiere haben sich alle weiter in das Dickicht zurückgezogen. Somit blieben uns unzählige Insekten in allen Farben und Formen, unglaublich giftige Frösche (wenn sogar der Vietnamese einen grossen Bogen um die Tiere macht, glaube ich ihm das), Vögel, die kopfüber unter Blättern hängen und weitere kuriose Tiere. Ich habe dann noch einen kleinen Rundgang alleine gemacht, mit der Hoffnung noch ein aussergewöhnliches Tier zu sehen. Doch auch alleine hatte ich kein Glück.

Höhlenforscher

Der folgende Tag bestand grösstenteils aus Busfahren und wir wurden in einem weiteren Nationalpark eingecheckt. In diesem Park “Phong Nha” befindet sich das grösste Land-Höhlensystem, welchem wir natürlich einen Besuch abstatteten. Zudem ragen auch hier, wie in der Ha Long Bay Kalkfelsen völlig zufällig aus dem Boden. Wir haben dann noch einen Farmstay besucht, wo ich zum ersten Mal “Shepherd’s Pie”, eine britische Spezialität gegessen habe. Stellt euch eine Bolognese ähnliche Hackfleischmischung, mit Kartoffelpüree und Käse überbacken und in einer Schüssel serviert vor. Mama, das müssen wir auch mal machen 🙂

Lunchpalette

Ausgeklügeltes Bar-System

Von Phong Nha sind wir dann weiter in die Demilitarisierte Zone gefahren und haben uns mit dem örtlichen Bombenentschärfungsteam verabschieded. Glücklicherweise haben diese früher am morgen ein Bomblet von einer Splitterbombe aus dem Jahre 71 gefunden, welches nicht transportfähig war und sie an Ort und Stelle “entschärfen” mussten. Entschärfen ist falsch, weil sie die Bomblets mit einer Ladung TNT in einem sicheren Umfeld zur Explosion bringen. Als sie in die Runde fragten, wer denn die Bombe explodieren möchte, habe ich mich natürlich gemeldet und schlussendlich auf den Knopf für die Detonation gedrückt. Das war eine richtig coole Erfahrung und ihr könnt das Video unter dem nachfolgenden Link anschauen:   http://youtu.be/1UCcwGLeYI8

Danach haben wir noch ein Bombenmuseum besucht und einiges über die Bombenabwürfe der Amerikaner im Krieg gelernt. Noch heute werden jede Woche ca. 200 kg Explosionsmaterial gefunden, nur im Umkreis von Dong Ha und Quang Tri. Natürlich gibt es auch noch regelmässig Tote durch vergrabene Bomben, die plötzlich ausgelöst werden, seit den 90er Jahren gab es über 7000 Tote alleine in der DMZ.

Zudem konnten wir noch die Tunnel besuchen, welche bis zu 23m unter dem Erdboden verlaufen und von Krankenstation über Wachposten bis Ess”saal” alles wesentliche bieten. Ein wenig bekannter als die Tunnels in der DMZ sind diejenigen ein bisschen ausserhalb von Saigon, die Cu Chi Tunnels. Ich habe jedoch nach dem Besuch genug von der beengenden, dunklen Gängen gehabt und beschlossen, die Cu Chi Tunnels nicht zu besichtigen.

Tunnels in der DMZ

Wir haben in Hue übernachtet und die Stadt sowie die grösste Tempelanlage in Vietnam besichtigt um später ein wenig am Strand bei einem leckeren BBQ zu relaxen.

Am nächsten Tag ging es schon früh mit den Rollern von Hue nach Hoi An, die so genannte “Top-Gear-Strecke” (Top Gear ist eine britische Autosendung und machte den Pass berühmt). Auf dem Weg machten wir noch Halt bei den Elephant Springs, wunderschöne Quellen, in denen wir badeten und unser Mittagessen zu uns nahmen. Ich teilte mir ein Moped mit Jack und als er fuhr sind wir umgefallen. Es ist uns beiden nicht viel passiert, doch ich habe mittlerweile seit 3 Wochen Wunden am Fuss, die sich immer wieder infizieren und eitern. Naja, es wird zu Hause dann schon verheilen 🙂

Elephant Springs

Der Hai Van Pass war jetzt nicht der schönste, den ich je gefahren bin (wir Schweizer sind diesbezüglich ja sehr verwöhnt), aber es machte Spass in einer Gruppe mit Mopeds einen Pass hoch- und runterzuheizen. Auf der anderen Seite der Bergkette ist Da Nang, eine aufstrebende Stadt, die vor allem auch für ihre feuerspeiende Drachenbrücke bekannt ist. Wir mussten aufgrund des Zeitdrucks jedoch zügig weiter, um noch vor der Dunkelheit in Hoi An anzukommen. Drei Plattfüsse haben uns zeitlich ein wenig aus dem Rahmen geworfen.

In Hoi An sind wir dann nach einem Aussie-Abendessen müde ins Bett gefallen. Ich habe mir am nächsten Tag in der hübschen Schneider-Stadt zwei Anzüge anfertigen lassen, die hoffentlich bald in der Schweiz ankommen. Als sich die Gruppe aufgelöst hatte, sind ich und Jack weiter nach Nha Trang gefahren. Nha Trang ist eine bekannte Feriendestination unter den Russen und ist wohl die Stadt mit dem grössten Wohlstand in Vietnam. Überall schiessen schöne Hochhäuser aus dem Boden, Maserattis und andere Luxuskarossen fahren durch die Strassen und es gibt einen Vergnügungspark auf einer eigenen Insel. Nach einem Tag am Strand und ein bisschen Sightseeing verging mir die Lust an der pulsierenden Stadt und wir fuhren weiter nach Da Lat.

Da Lat liegt etwa auf 1500 m.ü.M. und es war KALT!! In der Nacht sank das Quecksilber auf gute 10°C, tagsüber kletterte es kaum über 20°C. Es herrscht ein ideales Klima für Kaffee- und Teeanbau und somit zieren Treibhäuser und Kaffeeplantagen die Hügel rund um die Stadt. Zudem gibt es Kopi Lowak-Farmen, das ist Kaffee, der von Wieseln gegessen und ausgeschieden wird um dann zu dem braunen Gold zubereitet zu werden. Eine Tasse Kopi Lowak kostet ca. 10$ und das Kilo wird in Europa und den USA für gut 700-800$ verkauft. Es war definitiv nicht der beste Kaffee, doch einen Versuch wert.

Am nächsten Tag haben wir uns zum Canyoning angemeldet und unter anderem eine 12m Wand und einen 25m Wasserfall abgeseilt, sind von gut 10m ins Wasser gesprungen und haben uns auf natürlichen Rutschen den Fluss runtertreiben lassen. Das war eine richtig coole Erfahrung, obwohl es mich mit meiner Höhenangst ziemlich Überwindung gekostet hat.

Canyoning in Da Lat

Abends hat uns der vietnamesische Hostelbesitzer zu örtlichen Spezialitäten wie Schlange und Frosch überredet, und wir durften miterleben wie die Schlange vor unseren Augen getötet, und das noch schlagende Herz von mutigen Männern verschlungen wurde. Die Schlange wurde dann ausgequetscht und das Blut in den Vodka (eigentlich Reiswein, aber Vodka ist billiger) gemixt um danach alle 5 Minuten beim Essen ein Shot von dem Getränk zu nehmen. Das selbe wurde übrigens mit der Galle gemacht, doch ich mochte den Gallensaft nicht sehr. Die Schlange wurde dann zu sechs Gängen verarbeitet. Mir persönlich hats nicht sehr geschmeckt, zumal auch fast kein Fleisch an der Schlange war und die Gänge hauptsächlich aus Haut, Knochen und inneren Organen bestanden.

Bloodshots

Yummie

Wir haben uns für den nächsten Morgen dazu entschlossen, die Gegend auf eigene Faust mit den Mopeds zu erkunden. Die Hauptsehenswürdigkeit waren auf jeden Fall die Elephant Falls, wunderschöne Wasserfälle im Niagara-Fall-Stil. Ich habe mich nach über einem Monat dann in Da Lat von Jack verabschiedet, der wegen des Zeitdrucks direkt nach Saigon fuhr um dann Kambodscha in einer Woche zu erleben, bevor er von Bankok zurück nach England fliegt. Ich habe jedoch schon neue Reisegspänli gefunden und bin mit denen nach Mui Ne, der Wind- und Kitesurf Hauptstadt des Landes. Leider hatte es aufgrund eines Typhoons keinen Wind sondern nur Regen. Ich wollte eigentlich versuchen, dort einen Job zu finden doch das Städtchen hat mich nicht so mitgerissen und es ist absolute Nebensaison im Moment. Deswegen bin ich dann nach drei Tagen mit der Französin und dem Kolumbianer weiter nach Saigon/Ho Chi Minh City gefahren. Da haben wir ein paar Tage das Stadtleben genossen und fahren demnächst ins ländliche Mekong-Delta bevor es weiter nacht Kambodscha geht. (Ich bin schon im Mekong-Delta, aber ich mag nicht mehr schreiben, deswegen erfahrt ihr mehr davon im nächsten Teil)

Phew, und jetzt geh ich schlafen 🙂

PS: Ich habe mal eine Route auf der Karte eingezeichnet, für die die’s interessiert: