on and on it goes

Ich sitze im Moment am Flughafen Perth und warte auf meinen Flug, der mich in dreieinhalb Stunden von Western Australia nach Brisbane und dann weiter nach Wellington bringt.

Ich denke, es ist Zeit, einen kleinen Rückblick einzublenden. Als ich an demselben Flughafen, an dem ich jetzt sitze, angekommen bin, wusste ich nicht recht, wohin mich diese Reise bringt. Ich hatte lediglich eine Handy-Nummer und eine Adresse, die meines Gastgebers. Plan war, dass ich mich für ein paar Tage dort einquartiere und dann der Küste entlang weiterziehe. Nun ja, es liegt in der Natur der Pläne, dass sich diese oftmals ändern und so kam es, dass aus den paar Tagen 2 Wochen wurde und ich mich endlich in die Freiheit entlassen konnte. Mittlerweile ist auch Adele angekommen und wir sind zusammen Richtung Norden gefahren. Wir waren überwältigt von den unterschiedlichen Landschaften, welche wir durchfahren und durchwandert haben. Diese Unberührtheit der Natur. Wir sind nach einigen Stopps in Shark Bay angekommen und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben wilde Delfine aus der Nähe gesehen. Aus der Nähe ist eigentlich untertrieben, sie schwammen in Armlänge an meinen Beinen vorbei. Auf dem Weg zurück in den Süden konnte ich das erste Mal mein Windsurfzeugs auspacken und endlich surfen gehen.

Wir haben dann in Perth eine Freundin von Adele getroffen und sind nach einem kurzen Aufenthalt in der Zivilisation mit Strom, Kühlschrank, Wifi und Klimaanlage weiter in den Süden gefahren. Der Südwesten Australiens ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Norden. Wo im Norden eher Steppe oder sogar Wüste vorherrschend ist, kommt der Südwesten mit vielen Bäumen, Wiesen und ist bekannt für seine guten Weine. Ich habe während meines Aufenthalts nicht viel Alkoholisches getrunken, kann jedoch sagen, dass der einheimische Wein richtig gut ist (zumindest, solange man ihn nicht wie alle Backpacker im 4l Plastiksack kauft). Wir haben viele Dörfer besucht, sind in einigen Nationalparks rumgewandert und haben einige Tage in Augusta zum Windsurfen verbracht.

Als die Zeit gekommen ist, und Adele zurück nach Wellington geflogen ist, fühlte ich mich das erste Mal ein bisschen einsam. Ich hatte kein Ziel, keine Begleitung, nur einen vollen Tank und die Lust zu fahren. Und so habe ich die 800km nach Esperance auf mich genommen (vgl. Blogeintrag) und bin gefahren. Ich glaube, ich konnte Esperance aufgrund meiner Stimmung nicht so einfangen, wie das andere hatten und war von der Stadt ein bisschen enttäuscht. Dafür hat die Natur den Ausflug wieder gut gemacht und ich wurde mit einem der schönsten Strände belohnt. Nach ein paar Tagen Katz-und-Maus Spiel mit dem Ranger wollte ich dann wieder zurück in den Südwesten. Der Plan wurde von der guten Vorhersage erneut geändert und schon befand ich mich wieder in Geraldton, 450km nördlich von Perth. In Gero hatte ich richtig gute, wenn nicht sogar meine besten Windsurftage und ich habe mich mit ein paar Backpackern angefreundet. Schlussendlich war ich 3 Wochen da, hab zahlreiche Bücher gelesen, mich oft mit den Leuten am Strand unterhalten und war ganz oft windsurfen.

Der letzte Abschnitt meines Australienaufenthalts könnte man in wenigen Worten beschreiben: Auto verkaufen, verzweifeln, aufkommende Hoffnung, und tschüss….

Doch so einfach ist es dann doch nicht. Ich habe meinen Van inseriert und bin zurück nach Fremantle (Perth) gefahren um auf allfällige Käufer zur warten. Nun ja, die Tage waren lang, das Handy blieb stumm und ich habe Pläne geschmiedet, was ich denn machen würde, falls ich den Van nicht verkaufen könnte.

South Beach in Fremantle ist sozusagen das Daheim von all den Backpackern, die sich ein Auto oder Van organisiert haben und in Perth arbeiten oder einfach nur rumhängen. An guten Tagen waren bestimmt 40 Backpacker-Vans auf dem Parkplatz und ich hatte überhaupt keine Probleme, neue Leute kennen zu lernen. Die meisten waren Franzosen, hatten Dreadlocks und Leinenhosen. Das Essen wurde mehrheitlich kollektiv eingesammelt und gegessen. Ich habe das erste Mal gesehen, wie die Leute zu den Supermärkten gingen und die Abfälle aus der Tonne geholt und gegessen haben. Wir haben dem immer Bin-Surfing oder Bin-Diving gesagt. Bei meinem ersten Mal habe ich eine Tüte Toastbrot, ein aufgewärmtes Hühnchen, Muffins, geschnittene Früchte und ein paar Würstchen geangelt. Doch die einen sind mit Eiern, Barbiepuppen, Steaks, diversen Dips und frischem Gemüse aufgetaucht. Zum Teil waren die Sachen noch nicht einmal abgelaufen und sind trotzdem im Container gelandet.

Ich habe also während den letzten Wochen in Perth praktisch kein Geld für Essen ausgegeben, dafür hab ich mir ab und zu auch mal ein Bierchen oder zwei gegönnt. Geschlafen habe ich eigentlich durchgehend am Lighthouse, welches sich an der nördlichen Mole des Hafens befindet. Da waren auch die ganzen Backpacker-Autos schön aufgereiht und was ganz wichtig war; geduldet. Der Ranger und auch die Polizei sind mehrmals am Tag patrouilliert, dennoch wurde nicht eine einzige Busse vergeben. In Australien ist das Wildcampen überall verboten und der Ranger zieht das eigentlich auch konsequent durch. Nach dem Wachwerden um sieben Uhr morgens durch das Klopfen des Rangers an der Tür folgt normalerweise eine Verwarnung oder sogar gleich eine Busse über AU$ 100.-. Anmerkung: Ich wurde nur immer verwarnt und musste keine einzige Busse bezahlen.

Meine Gefühle sind im Moment erstaunlich klar. Ich habe mir ehrlich gesagt mehr erhofft von Australien, insbesondere was den Zusammenhalt der Surfer angeht und dass man auch ab und zu mal am Abend zusammen sitzt, ein Bier trinkt und den Tag ausklingen lässt. Die Wahrheit ist, dass jeder nach dem Surfen zusammenbaut und zu seinem Schlafplatz fährt, um nicht vom Ranger erwischt zu werden. Auch habe ich mir die Offenheit der Australier (gemäss ihrem Image) anders vorgestellt und bin auch oftmals erschrocken über die Unfreundlichkeit die dem Reisenden entgegen gebracht wurde. Der Fairness halber muss ich aber auch anmerken, dass ich einige richtig coole Australier getroffen habe.

Was mich auch total überrascht hatte, sind die Preise und im Gegenzug die Löhne der Arbeitenden. Die Leute sind reich!! Fast jeder fährt ein neues Auto, kann sich Lebensmittel für ein Vielfaches unseres Preises leisten und verdient mindestens genauso gut, wie wir in der Schweiz (nicht zu vergessen, dass jeder ein eigenes Häuschen mit Pool und Garten besitzt!).

Ich hatte eine gute Zeit hier in WA, zahlreiche wunderschöne Erlebnisse mit der Natur und den Menschen und einige unvergessliche Surftage. Ich habe Menschen und ihre Geschichten kennen gelernt bin mit Delfinen geschwommen und habe Stechrochen gestreichelt. Ich habe bei weitem nicht Alles gesehen, dennoch habe ich einen guten Eindruck von Australien bekommen und beschlossen, dass ich wohl demnächst nicht mehr vorbeischauen werde. Ich freue mich jetzt auf das Abenteuer Neuseeland (ich hoffe, dass alles gut geht und vor allem, dass ich durch den Zoll komme) mit vielen neuen Menschen, einer unglaublichen Natur und natürlich meiner Liebsten.

Genug geschrieben für heute, es sind noch drei Stunden bis zu meinem Abflug, welche ich mit Lesen füllen werde. See ya, mate!

Kleiner Nachtrag: Ich bin mittlerweile gut in Wellington angekommen, habe mich schon grösstenteils eingerichtet, mich seit über einem Monat mal wieder rasiert und eine warme Dusche genossen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten.

 

Noch ein kleiner videographischer input um euch zu zeigen, wo ich denn überall war. Der Film ist nicht von mir, aber ich war an (fast) allen Plätzen auch am surfen: https://vimeo.com/61945921

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