Up’s and Down’s

Nach unserem ersten Trek über insgesamt 11 Tage haben wir uns 3 Tage Entspannung in der Hauptstadt gegönnt. Die freien Tage waren jedoch auch schon gleich wieder mit der Organisation der nächsten Reise ausgefüllt.

Mit nur dem Nötigsten ausgerüstet fuhren wir wieder die 60km in den Osten, vorbei an der Chingis Khan Statue auf dem mittlerweile vertrauten Weg zu Saraa’s Camp. Statt wie beim letzten Mal erst raus zu fahren und dann zurück zu reiten, war jetzt eine Rundreise über 9 Tage mit Saraa’s Camp als Ausgang und Ziel geplant.
Begleitet wurden wir von Saichnaa, Saraas 14 jährigem Sohn und Ogi, einem 23 jährigen “Nachbar” der Familie. Zusätzlich kamen die Hofhunde Well-Mart und Boika mit uns mit und beschützten uns gegen Wölfe und Bären aber hauptsächlich gegen nächtliche Pferdediebe und andere Hirtenhunde. Die beiden Jungs haben sich die ganze Reise um die Pferde gekümmert und als Guides die Route vorgegeben.

Die Strecke führte über bewaldete Berge, Blumenwiesen und sumpfige Täler durch den Terelj Nationalpark. Gekocht wurde über dem Feuer und es gab hauptsächlich Schafsuppe oder Reis mit Schaffleisch und Gemüse. Ab und zu haben wir die Gelegenheit ergriffen und unsere mitgebrachten Spaghetti mit Thunfisch gekocht. Kulinarisch gesehen gab es also wenig Abwechslung, doch wir haben uns irgendwie durchgeschlagen.

Ogi, der ältere der beiden Guides, hat eine sehr spezielle Art, welche uns oft viele Nerven gekostet hat. Er sprach nur mongolisch und hat uns wie hilflose Touristen behandelt. Wenn wir zum Beispiel die Satteltaschen des Packpferds gepackt haben, hat er alles wieder ausgeräumt, nur um die Taschen danach exakt auf die gleiche Weise wieder neu zu packen. Man sagt, salopp ausgedrückt, dass unter 7 Menschen ein Arschloch sei. Glücklicherweise war unser erster Trip der Gobi Gallop eine Ausnahme, aber nun hat es uns anscheinend doch getroffen. Nicht nur die Strecke war also ein hoch und runter, sondern zwischenzeitlich auch unsere Stimmungslage.

Aber genug des Negativen, wir hatten natürlich auch aussergewöhnlich schöne Momente, welche die negativen um ein Vielfaches überblendeten. Es sind diese kleinen, im ersten Augenblick unbedeutend erscheinenden Situationen, welche diese Reise so besonders machten. Wie zum Beispiel, als wir nach Tagen der Einsamkeit auf ein holländisches Paar getroffen sind, welches den Nationalpark auf dem Fahrrad erkundet hat. Wir haben uns oft gefragt, wie es möglich ist, durch die sumpfigen überfluteten Strassen zu fahren. Nicht selten haben wir Fahrradspuren im Matsch gesehen. Doch dieses Paar hat bewiesen, dass es mit einigen Mühen und Strapazen doch möglich ist.

Wir sind durchschnittlich etwa 4-5 Stunden täglich geritten und haben uns über Gott und die Welt unterhalten, gesungen, dem wunderschönen Gesang von Ogi gelauscht oder einfach nur die Stille, die Einsamkeit und die Landschaft genossen. Auch wenn sich der WOW-Effekt mit der Zeit ziemlich abgeschwächt hat, sind es die weissen Zuckerwattewolken vor dem klaren blauen Himmel über den satten grünen Hügel, an die ich mich mein Leben lang erinnern werde.

Wir haben so viel erlebt und doch ist es nichts Besonderes, wenn man es nicht selbst gemacht hat. Wir haben Kuhmist verbrannt um die nervigen Bremsen von uns abzuhalten. Beim Versuch das Zelt mit oben genannter Methode von den tausenden Fliegen und Mücken zu befreien, habe ich ein riesen Loch in den Zeltboden gebrannt. Wir sind über endlose blumenübersäte Wiesen galoppiert, durch schier undurchdringbare Büsche geritten und haben Flüsse durchquert, bei welchen das Wasser bis zum Sattel hoch reichte. Wir haben nachts gefroren, tagsüber geschwitzt und meine Schuhe waren konstant nass. Wir wurden beim persönlichen Geschäft von den fiesen Mücken in den Allerwertesten gestochen, haben den täglichen Niederschlag verflucht und trotzdem das Prasseln des Regens auf dem Zeltdach genossen. Wir haben uns über Ogi aufgeregt und gleichzeitig mit Saichnaa gewitzelt, welcher gemäss Katharina eines Tages ‘en riese Schuss’ werden wird.

Am drittletzten Tag wurden wir zu einem Freund von Saichnaas Familie geführt und haben dort zwei Tage verbracht. Es war eine ziemlich eigenartige Zeit, da die Familie eher “mudrig” (Anm. Berndeutsch) war und uns ausser während den gemeinsamen Essen keinerlei Beachtung schenkte. Zudem wurden wir oft zurechtgewiesen, wie man sich zu verhalten habe und nach einem Gespräch mit Saichnaa sind wir danach weitergezogen.

Ein Höhepunkt war definitiv das Mini-Naadam Fest, welchem wir beiwohnen konnten. Naadam ist das Nationalfest der Mongolen und findet vom 11. bis zum 13. Juli jeden Jahres statt. An diesem nationalen Sportevent messen sich die Leute in drei Disziplinen: Pferderennen, Wrestling und Bogenschiessen.
Wir haben die Jungs auf ein kleines Naadam Fest mit Pferderennen und Wrestling auf dem Land begleitet. Normalerweise werden die Pferde beim Rennen von Kindern im Alter von zwischen 4 und 13 Jahren geritten und bei diesem Fest gab es zwei Rennen. Das erste war mit Pferden im Alter von 5 Jahren und das zweite mit zweijährigen Fohlen. Es war ein ursprünglicher Anlass, wir zwei waren die einzigen Touristen und wurden von allen Seiten mit freundlichen Blicken begrüsst.
Als das Rennen über ca. 5km an uns vorbei zog, sind wir auf unsere Pferde gestiegen und in das Chaos aus Rennteilnehmern, Begleitfahrzeugen, Motorräder, Stallburschen und Pferdebesitzern eingetaucht und haben die Kinder ins Ziel begleitet. Die Szene hat die mongolische Kultur perfekt widerspiegelt, von Aussen war es ein Durcheinander sondergleichen, aber war man einmal mittendrin, haben sich gewisse Regeln und Strukturen abgezeichnet. Es war purer Wahnsinn!!
Zwischen den zwei Rennen fand das Wrestling statt. Meistens haben sich drei Paare der muskulösen Männer in den knappen Höschen und den brustfreien Oberteilen gleichzeitig einen Kampf geliefert. Der Ring bestand nur aus den sitzenden Zuschauern und unseren ‘Logeplätzen’ auf dem Rücken der Pferde.
Am Ende des Tages ritten wir wieder zurück zu unserer vermeintlichen Unterkunft, einem brachliegenden Winterstall. Doch nachdem wir die Pferde abgeladen und unser Zelt aufgestellt haben, stand plötzlich der Besitzer der Anlage vor uns und hat uns weggewiesen. Wir sind zweihundert Meter weiter geritten und haben dort unser Nachtlager auf einer Wiese aufgeschlagen und den Tag mit dem allnächtlichen Feuer ausklingen lassen.

Am letzten Tag, geplant waren nur 15km, wurden wir noch vor einige Probleme gestellt. Beim Satteln der Pferde ist der Gurt des Packsattels gerissen, doch wir konnten es wieder hinbiegen. Hinter einer Hügelkette sind Katharina, Ogi und ich über weite Strecken galoppiert und haben danach auf Saichnaa und das Packpferd gewartet. Nach langer Zeit kam uns Saichnaa ohne Sattel auf dem Packpferd entgegen; es hat sich rausgestellt, dass sein Pferd lieber schon einmal ohne seinen Reiter nach Hause wollte. Den gebrochenen Sattelgurt konnten wir nach einiger Zeit mit Schweizer Klettertechnologie retten und Saichnaa ist hinter mir auf dem Rücken meines Pferdes die zwei Stunden zurück geritten. Unterwegs holte uns noch ein Hagelsturm ein und somit können wir behaupten, jedes Wetter bis auf Schneefall erlebt zu haben.

Zurück bei Saraa gab es das freudige Wiedersehen zwischen den Eltern und ihrem Sohn und für uns ein verdientes Bad im eiskalten Tuul-River nach 9 Tagen ohne Waschen.

Alles in Allem hatten wir zu Beginn eine komplett andere Vorstellung von dem, was uns erwarten würde. Doch unserem Sprichwort gemäss “Go with the flow” konnten wir uns schlussendlich immer irgendwie arrangieren und haben die Zeit genossen. Der zweite Trip war definitiv ein komplett anderes Erlebnis als der Gobi Gallop, nicht nur der Landschaft wegen. Doch allen Schwierigkeiten und Downs zum Trotz haben wir die Zeit sehr genossen und dürfen wohl mit Stolz behaupten in drei Wochen täglichen Reitens mehr als 1000km zurückgelegt zu haben.

Wir hatten nun zwei Tage in Ulaan Baatar und fliegen morgen nach Dalanzadgad im Süden um die Gobi Region zu erkunden. Dieses Mal jedoch ohne Pferde 🙂 Fotos gibts hier:

https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

http://www.fb.com/sheshe87

Gobi Gallop 2 – Back from Archangai

“I’ve been through the desert on a horse with no name
It felt good to be out of the rain
In the desert you can remember your name
Cause there ain’t no one for to give you no pain”

America – A horse with no name

Ich habe lange gezögert, diesen Eintrag zu schreiben. Es ist so viel und doch nichts passiert in den vergangenen Tagen. Trotzdem werde ich versuchen, euch unsere Erfahrungen und Momente auf dem 11 tägigen Trek so gut wie möglich zu überbringen.

Der Gobi Gallop Ride

Letztes Jahr von Julie Veloo ins Leben gerufen, basiert der Event nur darauf, auf dem Pferderücken 700km in 10 Tagen zu bewältigen. Die Route wird einigermassen vorgegeben, kann sich aber durchaus spontan ändern, wenn zum Beispiel der hohe Wasserspiegel der Flüsse das Queren unmöglich macht.
Zusätzlich kommt noch der Wohltätigkeits-Aspekt dazu. Die Hälfte der Startgebühr geht an ein Projekt, welches den ärmsten der armen Kinder aus dem Ger District einen Platz in einem Kindergarten, zwei Mahlzeiten täglich und Schulbildung ermöglicht. Doch dazu mehr in einem späteren Abschnitt.

Die Gruppe

Julie Veloo, der Kopf hinter der ganzen Sache, kommt aus Kanada, lebt mittlerweile seit 4 Jahren in UB und hat sich gänzlich dem Reiten und der Hilfe der sozial benachteiligten Kinder verschrieben.
Chad, der Althippie, kommt ebenfalls aus Kanada, ist 69 Jahre alt und somit unser Ältester. Ich bin oft mit ihm geritten und wir haben über Wirtschaft, Politik, Reisen, Kornkreise (er hat viele Jahre der Untersuchung des Paranormalen gewidmet) und vieles mehr diskutiert.
Gale, wie der Sturm, kommt aus dem tiefsten Kanada, wurde auf der Reise 65, ist total technikabgeneigt, hat das erste Mal mit uns Nutella und Oreos gegessen und hinterfragte ALLES. Sie war das Kind, welches zum ersten Mal die weite Welt entdeckt. Sie war die Einzige, welche mehr Kilometer im Auto als auf dem Pferd zurückgelegt hatte.
Ann, eine Australierin, die in England und für einige Wochen im Jahr in UB lebt, hatte sämtliche Tübchen und Cremes aus ihrem Badezimmer dabei. Trotzdem hat sie die ganze Strecke durchgehalten und verdiente sich damit unser aller Respekt.
Kai, aus Singapur war mit ihren 25 Jahren auch im Club der Jungen vertreten, musste leider als Einzige schon früher abreisen, da sie ihrer Arbeit als Neurologin nachkommen musste. Sie war die erfahrenste Reiterin aus der Gruppe und hat die langen Joggingphasen mit klassischer Musik überbrückt.
Soyolbold, der einzige Mongole in der Touristengruppe, hatte bereits den ersten Gobi Gallop Ride absolviert und bestand darauf, die gesamte Strecke auf dem überaus unbequemen mongolischen Sattel zu bewältigen. Er war der Blickfang mit seinem langen Zopf und der traditionellen Kleidung und hat uns viel über das Land und die Leute beigebracht.

Baagi, der Vater der Pferde und unser mongolischer Führer und Organisator, hat die Gruppe sicher durch das weite Nichts geführt und sogar unterwegs noch einen jungen Hengst gekauft. Er hat das Tempo und die Route vorgegeben, hat sich täglich um die Pferde gekümmert und ist selbst nach einem 11 stündigen Ritt noch die ganze Nacht aufgeblieben, um die Mannschaft zu entlasten und die Pferde zu bewachen, nur um am nächsten Tag wieder 9 Stunden auf dem Pferd zu sitzen.
Seine Frau Saraa hat uns mit dem Truck begleitet und war für die Organisation rund ums Camp verantwortlich. Sie ist die fleissige Biene, die ohne zu zögern jede Arbeit verrichtet. Mit ihr zusammen war ihr Sohn, Saichnaa, welcher uns auch auf den nächsten Trip begleiten wird, Nomin, die mit dem Koch für unser leibliches Wohl verantwortlich war und noch ein Saichnaa, der als helfende Hand im Hintergrund gewerkelt hat.

Zu guter Letzt war da noch Bayara, der Fahrer des Jeeps, ein Kind im Körper eines Erwachsenen und ein überaus liebevoller Mensch. Er hat uns stets in einigem Abstand begleitet, die bisher bewältigte Kilometeranzahl durchgegeben und ermüdete Reiter eingesammelt.

Die Gruppe war bunt durchmischt, doch wir konnten uns alle miteinander arrangieren und hatten tolle Gespräche und viele lustige Momente zusammen.

Der Ritt

Mit dem Auto wurden wir von UB in das 460km entfernte Tsetserleg im Archangai gefahren. Ein bisschen hinter der Stadtgrenze haben wir unsere Zelte an dem Ufer eines Flusses aufgeschlagen und mit einem riesigen Lagerfeuer und Vodka den Start der Tour besiegelt. Am ersten Reittag, noch bevor wir die Pferde bestiegen hatten, sind wir zu einem Schamanenfelsen in der Nähe gefahren. Danach wurde mir das Pferd Ginger zugeteilt, Katharina hatte Grey Wolf. Die Pferde waren ziemlich aufgebracht nach der weiten Reise und wussten nicht was los ist und so ist Ginger gleich mit mir auf dem Rücken durchgebrannt und losgaloppiert. Irgendwann habe ich ihn aber unter Kontrolle bekommen und der restliche Weg war zwar ein Kampf, doch durchaus machbar. Wir endeten an den Hot Springs wo wir im Ger übernachtet haben und uns ein Bad in den heissen Quellen gönnten.
Am nächsten Morgen wurde mir Chocolate zugeteilt, welchen ich bis zum Schluss geritten bin und definitiv einfacher als Ginger zu kontrollieren war. Wir ritten für etwa 9 Stunden durch eine fantastische Landschaft und waren am Ende des Tages alle erschöpft. Das Camp war in einem Tal mit grossen Kuh- und Schafherden und beim Abendessen ist eine Gruppe halbwilder Pferde an uns vorbeigalloppiert.
Nach einem tiefen Schlaf sind wir zu dem buddhistischen Kloster auf den Berg geritten und haben es besichtigt. Die Route führte wieder den Berg runter und über saftig grüne Wiesen, durch karge Steppenlandschaft zu einem Fluss. Dies war meine erste richtige Flussüberquerung zu Pferd. Doch ich konnte die Landschaft nicht geniessen, meine Knie hatten mich aufgegeben und ich konnte weder stehen noch sitzen. Dies war der Zeitpunkt, als ich den Rest der Strecke im Auto zurücklegen wollte. Doch nach einigen Schmerzmittel und einer “Energieheilung” durch Gale habe ich mich dazu gezwungen, den Rest auch noch zu reiten. Ich wurde mit endlosen  Lavafeldern entlang des Flusses belohnt, welche ich mit steigender Sicherheit im Sattel durch galoppiert bin. Abends war dann kurz Zeit für eine Katzenwäsche im Fluss, nur wenige Meter weiter flussaufwärts bedeckten noch immer Eisschollen das Gewässer, was unsere Zeit im Wasser stark verkürzte.
Am nächsten Tag ritten wir dann zum Wasserfall. Der eben genannte Fluss stürzt sich aus etwa 20 Meter in einen Graben. Wir verbrachten einige Zeit da bevor wir uns auf die längste Etappe aufgemacht haben. Die Route führte nach Kharakhorum, der antiken Hauptstadt der Mongolei. Nach 11 Stunden im Sattel begann es zu regnen und wir waren alle froh, als wir die letzten der 100 geplanten Kilometer im Auto zurücklegen konnten. Wir kamen gegen 22.00 Uhr in Kharakhorum an und wurden in ein Haus einer lokalen Familie gelotst. Dort haben sie für uns ein Schaf geschlachtet und das ganze Fleisch auf einer riesen Platte präsentiert. Nach einem solchen Marathontag wollten wir aber alle nur noch ins Bett und so wurde die liebevoll gemeinte Geste von uns nicht wirklich geschätzt. Ausserdem bekamen wir eine riesige Schüssel mit Haut, Fett und gemäss unseren westlichen Geschmacksknospen widerlichem Fleisch, welche unsere Motivation nicht wirklich steigerte. Wir wurden dann darauf in ein Ger Camp gefahren und sind etwa um Mitternacht völlig erschöpft in die Betten gefallen.
Auf dem Programm für den nächsten Tag stand die Besichtigung des noch immer aktiven Klosters. Unseren Pferden wurde auch einen Tag Pause gegönnt und wir sattelten um auf eine Gruppe lokal bereitgestellte Pferde. Nach einem Tag mit vielen Stürzen, sehr viel Galopp und einigen spontanen Rennen waren die Pferde buchstäblich tot! Nach ca. 85km wollten die Pferde schlicht nicht mehr weiterlaufen. Sie konnten nicht mehr! Ich und Saichnaa, der Sohn von Baagi und Saraa, ritten vorweg um das Camp zu suchen, während der Rest der Gruppe mit dem Auto fuhr oder zu Fuss mit dem Pferd im Schlepptau weiterging. Wir zwei prügelten die Pferde sprichwörtlich durch, aber bei den Anderen ging einfach nichts mehr. Und auf diesen letzten Kilometern hatte es mich auch erwischt. Das Pferd ist mit dem Vorderbein in ein Loch gestanden, gestrauchelt und ich war nicht mehr fähig es hochzuziehen, so bin ich dann langsam aber bestimmt vom Sattel gerutscht. Zum Glück ist aber niemandem etwas Ernsthaftes passiert und der Platz am Ufer des Sees Ogi Nuur hat uns für die gesamten Strapazen und Schmerzen mehr als entschädigt. Das anschliessende Bad im kühlen Wasser mit einem einzigartigen Sonnenuntergang und einem kühlen Bier in der Hand tat den Rest und wir konnten das Leben wieder in vollen Zügen geniessen.
Am nächsten Morgen ging es weiter durch Mausland zum Tent Mountain (Maikhan Owool). Die kleinen Biester haben die gesamte Erde unterhöhlt, was zusammen mit dem lockeren Boden für viele Einbrüche der Pferde und weitere Stürze sorgte. Die Landschaft war überwältigend, weite Täler umgeben von sanften Hügeln. Wir ritten den ganzen Nachmittag durch die steppenartige Landschaft der Mini-Gobi und hinter jedem Hügel präsentierte sich die Umgebung von einer komplett anderen Seite. Einmal waren es steinige, sandige Böden, dann wieder saftiges Grün und Blumenfelder. Katharina fühlte sich gegen Schluss nicht mehr wohl und fuhr eine kurze Strecke im Auto zum Camp. Dies hatte den Vorteil, dass bei unserer Ankunft die Zelte schon am Ufer von zwei kleinen Ententeichen standen.

Auch am siebten Tag sind wir über 8 Stunden und 85km weit geritten, es hat zum ersten Mal geregnet und die Landschaft hat sich kaum bis wenig verändert. Gegen Ende war es Buschlandschaft und ich habe mir ein Rennen mit Chad geliefert. Sein 15 jähriger Tommy hatte gegen meinen 8 jährigen Jungspund natürlich keine Chance 🙂 Später habe ich erfahren, dass Chocolate ein Rennpferd ist und es mit dem richtigen Reiter eines der schnellsten Pferde im Stall ist. Wir haben in der Nähe der Stadt Daleschilling campiert und am Abend gab es ein kleines Geburtstagfest zu Gales 65 mit Kuchen und Keksen.
Und dann war es endlich so weit: Ich bin aufgestanden und NICHTS hat mehr geschmerzt! Es war wie der Himmel auf Erden! Keine Tabletten mehr, keine schmerzenden Knie nach Stunden im Sattel, keine pulsierenden Pobacken, schlicht ein Traum! Das Wetter war noch immer schlecht und wir ritten im Nieselregen durch endlose Weiten. Doch der Tag sollte sich noch zum Guten wenden. Das Nieseln stoppte schon bald, wir fanden uns in einer Sumpflandschaft wieder und hatten ein leckeres Mittagessen in einem kleinen Dorf. Kurz vor der Weiterreise wurden dann noch meine Stiefel geflickt, die Sohle hat sich gelöst und ich bekam zwei neue Sohlen verpasst. Nach einem sehr langen Tag, ich habe meine erste wilde Schlange überhaupt gesehen, kamen wir über eine Bergkette hinter Bayanuur. Die Aussicht kann ich nicht in Worte fassen, doch sie holten die ganzen bisher unterdrückten Emotionen hervor. Ich denke, dass diese Minuten die schönsten der ganzen Reise waren und selbst das Schreiben darüber treibt mir Tränen in die Augen. Es ist, als ob man unzählige Strapazen überwunden hat, nur für diesen einen Moment, dieser Blick auf eine Weite gesäumt mit Hügelketten, getaucht in das goldene Licht der sinkenden Sonne. Ich wollte nur eines; alleine sein und durch diese überwältigende Landschaft galoppieren. Dies ist ein Moment, den ich in meinem ganzen Leben niemals vergessen kann…
Ein Klopfen an der Zeltplane am nächsten Morgen holte uns aus dem Schlaf und Gale hielt Katharina einen jungen Welpen zur Begrüssung entgegen, welcher sie vom Brunnen zum Camp begleitet hatte. Katharina war sofort Feuer und Flamme für den jungen Hund (und noch nie so schnell wach….) und nach einem ausgiebigen Frühstück mit Müesli und frischer Kuhmilk (yummie!) ging es Richtung Lung. Wir hatten Lunch am Fluss als meine kleine Kamera den Geist aufgab. Es war kein grosser Verlust, aber es war doch praktisch, immer einen kleinen Schnippomat bei sich zu haben und sich nicht nur auf die sperrige DSLR von Kat zu verlasssen.
Nachmittags ritten wir durch weite Graslandschaften. Man spürt die beginnende Nähe zur Hauptstadt. Wir haben ein bisschen abseits der Strasse campiert und gingen früh zu Bett. Tagwache war um 04.15, um 05.00 Uhr ritten wir los, dem Sonnenaufgang entgegen. Heute war nur ein kurzer Tag, 25km bevor wir die Pferde auf den Truck verladen haben. Um etwa 08.00 Uhr sind wir im Hustai Nationpark angekommen, wo wir die letzten wilden Pferde der Erde, die Urpferde (Przewalski) beobachten konnten. Im Basislager des Nationalparks fanden wir auch gleich eine Dusche und mussten uns der Versuchung hingegeben. Ahh, das war ein gutes Gefühl! Da wir nicht durch UB durchreiten wollten, sind wir mit dem Jeep gefahren und die Pferde wurden auf dem Truck zum Turkish Monument transportiert. Wir hatten die Wahl zu campieren oder im Ger zu übernachten, aber nach einigen Nächten im Ger haben die meisten von uns das Zelt bevorzugt. Die Jungs von der Kasachenfamilie haben zwei Ziegen geschlachtet. Eine wurde auf dem traditionellen Weg mit dem Aufschlitzen der Kehle getötet und ausgeblutet, die andere wurde mit dem showmässigen ausreissen der Aorta erlegt. Danach wurden sie auf der Stelle gehäutet, keine 20 Meter weiter spielten die Kinder Basketball. Es mag bizarr erscheinen, aber diese zwei Ziegen bedeuten Nahrung für eine ganze Woche für die gesamte Familie und somit war das ein gängiges Prozedere.
Der letzte Tag bestand auch nur aus einem kurzen Ritt. Die Pferde wurden zunehmend unruhiger, da sie die Gegend, den Geruch und die Weiden kannten und nur nach Hause wollten. Wir hatten Mittagessen in einem magischen Wald der 100 Bäume und ritten vorbei an der 26m hohen Gingis Khan Reiterstatue aus Stahl zu einem kleinen Spa. Dort freuten wir uns über die erste Dusche mit warmen Wasser seit Tagen, zogen uns saubere Kleidung an und ritten die letzten 10 Minuten bis zum Pferdestall.
Wir wurden von einem riesen Empfangskomitee begrüsst und hatten endlich das Ziel erreicht!!

Zusammenfassung

Ich habe gerade 3 Stunden geschrieben und mag nicht mehr. Es lässt sich aber sagen, dass ich diese 11 Tage niemals vergessen werde, den ständigen Geruch nach Salbei, die Höhlen der Mäuse, die Falken über mir, die abwechslungsreiche Landschaft. Es ist nicht beschreibbar, was wir erlebt haben, Fotos geben diese unglaublich gewaltige Landschaft niemals wider, keine Worte können die herzhaften Leute beschreiben und doch hoffe ich, euch eine kleine Impression dieses wunderbaren Landes gegeben zu haben. Kommt und seht selbst!!

Wir sind jetzt übrigens wieder in UB und gehen am nächsten Sonntag auf einen erneuten 9 tägigen Trek, diese Mal aber nur Katharina und ich, zusammen mit Saichnaa und noch einem Jungen. Danach fliegen wir wohl in den Westen, ins Altai Gebirge und kommen rechtzeitig zum Naadam (dem grössten mongolischen Fest) wieder zurück und mit etwas Glück dürfen wir uns da gegen die lokalen Jungs im Pferderennen messen.

Fotos gibts wie immer auf Facebook und über folgenden Link:
https://www.flickr.com/photos/126652876@N08/

(PS: ich konnte leider nicht alle Fotos auf Flickr laden, aber ich hoffe ihr habt eine kleine Vorstellung. Ich werde, einmal zu Hause angekommen, die Fotos updaten)