Von bösen Frauen und Felsen

Der Zug fuhr um 4.47 in der Früh in Irkutsk ein. Katharina und ich haben beide nicht viel geschlafen in der letzten Nacht, da der Schaffner die Heizung auf etwa 35°C hochgedreht hatte. Der Grund dafür haben wir bis heute nicht verstanden.

Unsere Planung sah vor, dass wir als Nächstes gleich zu der Orchol Insel im Baikalsee fahren würden. Die erste Hürde war jedoch, erst einmal zum Busbahnhof zu gelangen. Im Wartesaal des Bahnhofs sind wir auf ein ebenfalls etwas ahnungsloses englisches Paar gestossen. Wir haben uns dann zusammengetan und sind mit dem Tram zur Busstation gefahren. Der Bus sollte um 10.00 fahren und wir haben das auch telefonisch rückbestätigt. Der Fahrer, welcher schon um 8.30 Uhr erschienen ist, hat uns wegen jeder Kleinigkeit auf Russisch beschimpft und so ist der Ausdruck “Böse Maa” entstanden. Die Fahrt im Minibus war alles andere als entspannend; der Ausdruck ‘wie die Sardinen in der Büchse’ beschreibt die Platzverhältnisse wohl am treffendsten. Doch aufgrund des Schlafmangels war das nicht so schlimm und die Landschaft hat hat uns für Vieles entschädigt. Die holprige Strasse führte durch weitläufige Steppen mit grasenden Kühen und wilden Pferden. Erst jetzt kam so richtig Vorfreude auf die Mongolei auf. Nach gut 5 Stunden Fahrt kamen wir zum Fährhafen, wo wir auf die Insel Orchol übersetzten. Es dauerte nochmals etwa eine halbe Stunde bis wir in Kushir angekommen sind. Nikitas Homestay hiess unser Lager für die nächsten 3 Tage. Die Unterkunft bestand aus zahlreichen kleinen Hütten mit jeweils zwei Betten im Zimmer. Jimi und Bridie, das englische Paar, wurde direkt in unser Nachbarzimmer eingeteilt und wir haben gleich die umliegende Gegend zu Fuss erkundet. Der eher hohe Preis von 30.- pro Nacht beinhaltet auch drei Mahlzeiten, Hauptspeise war Fisch aus dem Baikalsee und Teigwaren mit roter Beete als Beilage (ja Mama, ich habe alles aufgegessen!).

Die Insel erstreckt sich etwa 80km in der Länge und etwa 10km in der Breite. Da sie nur mittels gebuchten Touren zu erkunden war, haben wir beschlossen uns auf die nähere Umgebung und die Stadt Kushir zu beschränken.

Der Baikalsee ist der grösste und tiefste See der Welt und liefert eines der saubersten Trinkwasser überhaupt. Bis vor wenigen Wochen war er noch zugefroren und im Winter gibt es sogar Strassen auf dem meterdicken Eis. Die lokalen Leute sind hauptsächlich Christen und Schamanen. Gleich neben unserem Hostel war der berühmte Schamanenfelsen, welchen man mit jeder Fotosuche über Google findet und auf 98% der Postkarten abgebildet ist. Katharina wollte ihn um jeden Preis auf ihren Fotos vermeiden, gab dann aber schlussendlich doch Klein bei.

Die Zimmer waren gemütlich eingerichtet und ein Holzofen sollte uns in der Nacht Wärme spenden. Da K. für das Feuer zuständig ist, hat sie sich gleich an die Arbeit gemacht und den Ofen angefeuert. Dumm nur, dass die Abzugsklappe noch zu war und sich dicker Rauch durch die Ritzen und Fugen in den Räumen ausgebreitet hat. Der Feueralarm konnten wir dann aber auch gleich wieder abstellen und die Klappe haben wir schlussendlich auch noch gefunden. Die böse Frau (eine neue Managerin) kam jedoch gleich zu uns runtergestürmt und hat sich erzürnt, dass ihre ganze Ladung frischer Wäsche nun nach Rauch stinke. Wir waren noch keine 2 Stunden vor Ort und sie hat uns diesen Fauxpas bis zu unserer Abreise nicht vergeben.

Am nächsten Tag haben wir uns gegen das Fischen, dafür für einen ausgiebigen Spaziergang entschieden. Um 5 Uhr Nachmittags wollten wir einen Bootsausflug zu den benachbarten Inseln machen um unter anderen die weltweit einzigartigen Süsswasserrobben zu bestaunen. Schwere schwarze Wolken zogen just um 16.30 auf und der Ausflug wurde wegen Sturmgefahr abgesagt. Die Regenzelle zog jedoch an der Insel vorbei und es war umso ärgerlicher, dass wir nicht rausfahren konnten.

Wir haben dafür gleich das Banyu, die russische Form der Sauna, gebucht und zwei Stunden später sassen wir in der über 80°C heissen, trockenen Hitze und haben unsere Seele entspannt.

Abends waren wir noch am Seeufer um den wunderschönen Sonnenuntergang zu bestaunen. Die Wolken schimmerten in einem pinken Licht, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Jimi hat dann auch noch seine Pfeife und eine kleine Flasche feinsten Scotchs ausgepackt und der misslungene Ausflug war schnell vergessen.

Wir konnten auch gleich noch unsere Wäsche waschen und haben einige Postkarten geschrieben. Leider war die Zeit auf der Insel für uns schon wieder vorbei und wir fuhren mit dem Minivan wieder zurück nach Irkutsk während Jimi und Bridie noch 5 Tage länger verweilen.

Falls irgendejmand irgendwann irgendwie in diese Gegend Sibiriens gelangen wird können wir euch den Ausflug zur Insel Orchol trotz der Strapazen wärmstens empfehlen!

Wir haben nach einer Nacht in Irkutsk nun wieder den Zug bestiegen, welcher uns entlang des Baikalsees in 7 Stunden nach Ulan-Ude bringen wird und freuen uns auf die nächsten Abenteuer, welche diese Reise mit sich bringen wird.

Leider funktioniert der Fotoupload momentan nicht, ich versuche mich aber bald darum zu kümmern.