Well, Well, Wellington

Geschafft! Nach zahlreichen Nachfragen, wann denn endlich ein weiterer Blogeintrag erscheint, sitze ich endlich vor dem Rechner und schreibe meine Erlebnisse nach.

Einmal in Wellington angekommen, wurde ich von meiner Freundin und ihrer Mutter abgeholt. Mit dem ganzen Gepäck auf dem Dach, standen wir innert kurzer Zeit vor ihrem Haus. Das Quartier Hataitai liegt in einem kleinen Tal hinter dem Mount Victoria, welcher die Stadt zweiteilt. Das Haus ist grossräumig mit einer Terrasse, von welcher man das Tal überblicken kann. Dies wird also meine Basis für die nächsten paar Wochen.

Ich und Adele

Cable Car in Wellington

In den folgenden Tagen habe ich Wellington entdeckt, bin mit dem berühmten Cable Car zum Botanischen Garten gefahren, ging Fischen (leider ohne Erfolg), habe das Nachtleben und Adeles Freunde kennengelernt und war Windsurfen in der Evans und Lyall Bay. Doch nach einiger Zeit wollte ich mehr als nur die Hauptstadt von Neuseeland sehen. Da ich noch kein Auto hatte, habe ich mich entschieden via Autostopp in den Nordosten nach Napier zu fahren.

Ich hatte mit dem Reisen per Anhalter bisher noch keine Erfahrung und war überrascht, als der erste Autofahrer nach gut einer Stunde angehalten und mich mitgenommen hat. Er meinte jedoch, dass er mich nur bis hinter die Stadt und ihre Aussenviertel mitnehmen kann, doch da sei die Chance grösser, dass einer für mich stoppt. Nach kurzer Fahrt hat er mich dann entlang dem Motorway rausgelassen und ich mich in Position gebracht. Die Ernüchterung wurde immer grösser und als ich nach zwei Stunden immer noch kein Glück hatte, versuchte ich einen anderen Weg einzuschlagen. Dumm nur, dass ich mich auf einer kleinen Inforaststätte befand von der keine Strasse vom Highway abführt. Einen Berg im Rücken habe ich mich entschieden, den Highway und die Zuglinie zu überqueren und einen Bahnhof in der Nähe zu suchen. Der Zug sollte mich nach Masterton bringen, stoppte aber in Upper Hut und mir wurde gesagt, dass der nächste Zug nach Masterton erst um 5 Uhr fährt. Somit habe ich mich wieder an den Highway gestellt und gewartet. Nach kurzer Zeit jedoch hielt erneut ein Auto und ein Bauarbeiter hat mich mit nach Masterton genommen. Dort habe ich einen Campingplatz gefunden auf dem ich mein kleines Einmann-Zelt aufgestellt habe. Die Nacht war regnerisch und ich bin am nächsten Morgen in einer Lache Wasser aufgewacht. Doch nach einer heissen Dusche war die Stimmung wieder besser und ich habe kurz darauf den Bus nach Napier bestiegen.

 

Napier

Die gesamte Stadt wurde bei einem Erdbeben in 1931 vollkommen zerstört und die Landmasse hat sich weitgehend erhoben. Pläne für einen Wiederaufbau und der Nutzung des neuen Landes wurden gemacht und so präsentiert sich heute die ganze Stadt in einem einmaligen Art-Deco Stil. Die Häuser sind im Stil der modernen Architektur der 30er Jahre, entlang des Ozeans führt eine grosse, mit Palmen gesäumte Promenade und hin und wieder sieht man einen wunderschönen Oldtimer durch die Stadt rollen.

Ausgeschlafen und mit einem Miet-Velo ausgerüstet, habe ich mich am nächsten Tag auf den Weg zum gut 35km südlich gelegenen Cape Kidnapper aufgemacht. Das Cape ist nur zu Fuss und bei Ebbe nach einem gut zweistündigen Marsch zwischen der Klippe und dem Meer erreichbar. Die Steilküste war karg und schroff. Der Weg gestaltete sich zunehmend schwieriger mit einigen Passagen durch oberschenkelhohes Wasser. Doch dann ging es auf einem Weg die Steilküste hoch und oben präsentierte sich mir die weltgrösste Gannet-Kolonie (Gannet ist eine Art Gans). Nun ja, so gross war sie nicht mehr. Die meisten Gannets haben sich schon in wärmere Gefilde aufgemacht und somit waren nur noch die letzten Paar Vögel da. Trotzdem war das Panorama überwältigend und es war spannend die jungen Gannets bei den ersten Flugversuchen zu beobachten. Doch ich durfte nicht zu lange verweilen, da die Flut schon wieder eingesetzt hatte und ich mich auf den Rückweg machen musste. Als ich wieder unten am Wasser war, war der Wasserstand schon wesentlich höher als auf dem Hinweg. Doch glücklicherweise habe ich einen Einheimischen getroffen, der mit seinem Jeep Krabbenfangen war und ihn um eine Rückfahrt gebeten. Ich habe also noch ein gratis 4×4 Adventure mit Fahrten durchs motorhohe Wasser erlebt.

Wieder in Napier stattete ich noch dem Aquarium of New Zealand einen Besuch ab, in dem Haie, Rochen und alle anderen Arten von Meerestieren zu bestaunen waren. Mit dem Bus ging es am nächsten Tag dann schon wieder zurück nach Wellington.

 

Taranaki und Raglan

In der Zwischenzeit habe ich mir ein Auto gekauft. Auf einen Van habe ich verzichtet, da ich mir mit einem Kombi mehr Erfolg beim Wiederverkauf erhoffe. Von Alex, einem coolen Kiwi Surfer habe ich einen Toyota Corolla Kombi für 2‘600 NZD erstanden.

Lighthouse in Pukarehu (im Hintergrund der Mount Egmont “Taranaki”)

Per Zufall ist auch noch ein Freund, den ich in Ägypten kennengelernt habe und der schon mit mir auf den Kapverden war in Neuseeland und spontan haben wir uns entschieden, eine Woche in den Nordwesten zu fahren.

Am Tag unserer Abreise zog ein Sturm über Wellington und Teile der Stadt wurden sogar überschwemmt. Wir waren froh, dem schlechten Wetter entfliehen zu können und schon nach kurzer Zeit hat sich das Wetter verbessert. Unsere erste Nacht verbrachten wir in Opunake entlang dem Surf Highway. Nach dem Essen holen beim Chinesen ist uns auf der Rechnung eine Telefonnummer und ein Smiley aufgefallen. Wir wussten jedoch beide nicht mehr, wie die Bedienung ausgesehen hat und haben beschlossen, ein bisschen mit ihr zu schreiben. Es hat sich rausgestellt, dass sie eine 19jährige Mutter ist und sie sich gewünscht hätte, dass wir noch ein bisschen länger bleiben. Es war ein lustiger Abend und eine genauso stürmische Nacht (also das Wetter war stürmisch J)

Am nächsten Tag sind wir nach New Plymouth gefahren und haben uns je ein Surfboard gemietet um damit ein paar Wellen abzureiten. Wir waren beide ziemlich unerfahren und hatten viel Spass, auch wenn wir nur die kleineren Wellen erwischt hatten. Euphorisiert von dieser Erfahrung haben wir beschlossen, die 200km nach Norden zu fahren und die Wellen eines Top 10 Surfspots weltweit zu surfen. Auf dem Weg dahin haben wir eine weitere kuriose Bekanntschaft mit zwei Mädels im Auto vor uns gemacht. An einem Lichtsignal haben wir ganz „jungs-mässig“ den Mädels im Auto vor uns zugewinkt und bald darauf hielt die Beifahrerin ein Zettel hoch auf dem „tools?“ stand. Wir hatten keine Ahnung, was sie wollte, also haben wir „coffee?“ zurück geschrieben. Leider hatten Sie keine Zeit, da sie auf dem Weg nach Auckland waren um auf ein Konzert zu gehen. Wir hatten noch weitere Konversationen per Zettel und neben-einander-her-fahren-und-mit-den-Händen-kommunizierend bis wir Sie dann nach einer Abzweigung verliessen. Belustigt von diesen zwei hollywoodreifen Begegnungen innert kürzester Zeit fuhren wir weiter. Ach ja, Tools ist eine bekannte Band, wie wir später herausgefunden haben.

Raglan, ein Städtchen an der Küste mit einem Surferspirit, den ich nur von Hawaii kenne. Überall waren Surfshops, jedes zweite Auto hatte ein Brett auf dem Dach und die Wellen waren erste Klasse. An einem guten Tag ist die ganze Bucht voller Wellen und Ritte von über 10 Turns sind möglich (Normalerweise kriegt man so 2-5 Turns maximal auf einer Welle). Wir waren im Paradies. Wir beide haben es geschafft, eine kopfhohe Welle zu erwischen und waren stoked. Am Abend haben wir dann noch einen Klotener auf dem Campingplatz getroffen und zusammen ein kleines BBQ veranstaltet.

Auf das Wochenende hin sind wir dann wieder zurück nach Wellington gefahren und haben uns verabschiedet.

Sonnenuntergang in New Plymouth

Raglan an einem guten Tag

Momentan bereite ich das Auto für einen weiteren Trip vor. Adeles Geburtstag ist am Dienstag und danach möchten wir beide für ein paar Tage durchs Land fahren. Momentan sind das Tongariro Crossing und die vulkanische Stadt Rotorua geplant. Ich werde euch auf dem Laufenden halten und wieder versuchen, den Blog regelmässig zu aktualisieren. Bis dahin, alles Gute und liebe Grüsse von Wellington.

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